Eigentlich bedeutet Verführung, jemanden zu etwas (meist sexuellen Handlungen) zu bringen, die derjenige eigentlich gar nicht möchte. Ich denke aber, dass es da durchaus eine – um es mal so auszudrücken – consensual-nonconsent Variante gibt: Die Verführung des eigenen Partners, der im Normalfall ja Sex mit seiner Partnerin will. Ebenso funktioniert das natürlich auch andersherum.
Ich liebe es, meinen Partner so um den Verstand zu bringen, dass er nichts will als mit mir zu schlafen. Es ist einfach ein tolles Gefühl und pusht auf jeden Fall auch das Selbstvertrauen.
Wenn ich ihn verführe, ziehe ich dazu nicht unbedingt besondere Dessous an (ich trage sowieso meist hübsche Sachen und Strümpfe gehören zumindest im Winter zu meiner “Standardausrüstung”). Ich denke, dass zu einer guten Verführung vor allem die passende Grundstimmung von Nöten ist. Die Erotik muss knisternd in der Luft liegen, spürbar, erfahrbar, erlebbar. Beiden Partnern ist klar, worauf es hinausläuft – aber wenn es sofort zur Sache ginge, wäre es nichts besonderes. Verführung ist ein Spiel, ein ständiges Aufheizen und Wegstoßen, sie ist wie Tango, der Tanz der Leidenschaft und der Abneigung. Sie kann im Bett beginnen, aber ebenso beim Sport, im Kino, auf der Arbeit. Sich verirrende Hände, tiefe Blicke, ein leises Lächeln – davon, dem Partner zu erzählen, was man plant, halte ich in diesem Kontext nicht viel, weil es meist dazu führt, dass man a) auf der Stelle Sex hat oder b) es zu Hause einfach schnell losgeht. Für eine Verführung braucht man aber Zeit.
Wichtig ist auch die Atmosphäre. Bei meinem Partner im Keller, wo das große Doppelbett steht, sind Kerzen. Ich bin nicht unbedingt immer romantisch, aber bei einer Verführung liebe ich sanftes Kerzenlicht, das eingebildete Problemzonen verschwinden lässt und alles weich zeichnet. Wer die Szene vorher länger plant, kann rote oder schwarze (Satin! Ich liebe Satin!) Bettwäsche aufziehen, denn selbst im Rausch der Sinne ist es schwer, über kleine Elche oder Pudel (nichts gegen die Bettwäsche, aber erotisch ist die nicht) hinwegzusehen. Musik ist sicher auch sehr schön (wenn es denn die richtige ist) – aber für die Verführung selbst zählt vor allem, dass eine erotische Stimmung aufgebaut wird.
Wenn ich verführe, dominiere ich. Er liegt auf dem Bett und jedes Mal, wenn er sich bewegen will, wenn er sich zu mir beugen will, mich ausziehen will, mich küssen will, stoße ich ihn von mir weg. Unendlich langsam ziehe ich mich selbst aus, drehe mich, streichle mich selbst und lasse mir Zeit, bis ich ihn endlich, endlich ausziehe…
Schön ist es aber auch, sich auf dem Bett zu “drapieren”, wenn der Partner nach Hause kommt und sich verführen zu lassen.
Einem Mann kann ich empfehlen, vor einer Verführung vor allem herauszufinden, wie die Frau zu Romantik, Kerzen, Rosen und allem, was dazugehört steht. Ich zum Beispiel kann Blumen nicht leiden. Ich habe einfach einen schwarzen Daumen, bei mir geht alles ein. Dafür kann man mich mit Schokolade (viel davon!), Kerzen oder Lager-/Kaminfeuer und Massagen für sich gewinnen. Toll ist es – wobei das meiner Meinung nach generell gilt -, wenn die Frau zum Orgasmus kommt, noch bevor ihr Sex habt, sei es durch die Hände, die Zunge oder einen Vibrator. Dann geht ihr viel entspannter an die Sache heran, der Leistungsdruck und die Gedanken wie “Sie muss heute unbedingt kommen!” sind weg und ihr könnt die Verführung beide genießen.



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