Hätte ich gewusst, was auf mich zukommt, dann hätte ich “Das Geheimnis der Flamingofrau” nie angefangen. Nein, eigentlich hätte ich das pdf in dem Fall vermutlich schon früher geöffnet.
Als Laura Lay, eine wohl unter ihrem echten Namen schon sehr erfolgreiche Schriftstellerin, mit der Frage auf mich zukam, ob ich den ersten Teil ihrer neuen E-Book-Reihe lesen möchte, dachte ich mir noch eher wenig dabei. Am Computer lese ich, wenn es nicht gerade um wissenschaftliche Paper geht, eher wenig, aber ich schien gute literarische Qualität erwarten zu können und die Leseprobe klang interessant. Also sagte ich zu, wartete mit dem Lesen aber noch bis zum Ende meiner Klausurenphase.
Zunächst einmal zur Handlung. “Das Geheimnis der Flamingofrau” ist eine Geschichte in einer Geschichte. Leon, ein junger, erfolgloser Schriftsteller geht aus Verzweiflung eine Vereinbarung mit einer Sammlerin erotischer Texte ein. Er schreibt, sie bestimmt den Fortlauf der Geschichte. Und so erzählt er von Tania von Rosenfels, einer Frau, um die im Dorf die wildesten Gerüchte verbreitet werden. Christian, Teilzeitlehrer und Journalist, fühlt sich von der eiskalten Frau auf eine ihm unerklärliche Weise angezogen. Dann lernt er ihr Mädchen kennen, Luise, ein wunderschönes, sanftes Geschöpf, das Tania vollkommen ergeben ist – und von dem Moment an verweben sich die Wege ineinander. Das Mädchen am Flamingogehege im Zoo, das Leon beobachtet, während er schreibt. Luise, die Christian gegenüber plötzlich abweisend ist, als sie sich zufällig allein treffen. Tanja, die Büchersammlerin und Tania, die reiche, aber eiskalte Schönheit. Abneigung und Anziehung und Liebe, und am Ende fragt man sich, welche Geschichte hier eigentlich die erfundene ist. Lara Lay zieht ihre Leser mit wohlgesetzten Worten in ihren Bann und beschreibt die innige Beziehung zwischen Tania und Luise, die von einem starken Machtverhältnis geprägt ist, mit einer Zärtlichkeit, die überrascht und fasziniert.
Am Ende des knapp 50 Seiten langen E-Books sitzt man dann erschöpft und aufgewühlt da und kann nicht glauben, dass es das schon gewesen sein soll. Es fehlt doch noch so viel. Die Wirrungen sind noch nicht aufgeklärt. Und doch versteht man: Genau diese heillose Verstrickung ist die Auflösung der Geschichte. Realität und Fiktion sind untrennbar verwoben. Der Übergang zwischen Zuneigung und Abneigung ist fließend.
Wer platte Erotik sucht, ist bei Lara Lay an der falschen Adresse, aber wem es um die Magie der Worte geht, wer in den Bann einer verwirrenden Geschichte gezogen werden möchte, wer sehen möchte, wie zärtlich Macht sein kann, dem sei “Das Geheimnis der Flamingofrau” wärmstens ans Herz gelegt.
Eine Leseprobe und auch das vollständige E-Book (2,79€) sind auf der Website von Lara Lay zu finden.



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