Realitätsverlust

Diese  Artikel ist teilweise eine Erklärung für den letzten, in dem ich erzählt habe, dass ich in die Antarktis auswandere. Mir sind einige Dinge aufgefallen, die mich schon länger stören, mit denen ich aber immer irgendwie klar gekommen bin, beziehungsweise deren Anhängerin ich vermutlich selbst war.

Ich habe vor einer Weile geschrieben, dass ich gerade etwas Probleme mit meinen Neigungen habe, dass es irgendwie nicht mehr so gut klappt wie früher. Dazu kommt, dass ich harten Sex um ehrlich zu sein gar nicht mag. Ich meine das, was Vanillas unter hartem Sex verstehen. Schnell, harte Stöße, vielleicht ein bisschen Haareziehen.. Ich mag es einfach nicht. Es hat eine Weile gedauert, bis ich das herausgefunden habe, aber so ist es. Ich mag keinen harten Sex. Kuschelsex – den ich im Übrigen irgendwie nie hatte – oder BDSM. Ansonsten reizt es mich nicht. Ich weiß nicht, woran das liegt, aber ich vermute, dass es ein bisschen daher kommt, wie mein Sexleben bisher aussah. Es gab einfach eine große Fixierung auf BDSM.

Und genau dort liegt das Problem. Es gibt in der ganzen BDSM-Szene eine unglaubliche Fixierung auf BDSM, beziehungsweise Sex. Nicht nur ein Thread befasst sich damit, wie unmöglich eine Beziehung zu einem/einer Vanilla ist. BDSMler berichten, wie Beziehungen kaputt gegangen sind, weil sie ihre Neigungen geäußert haben oder wie sie zerbrochen sind, weil sie ihre Neigung nicht ausleben konnten und das Sexleben darunter gelitten hat. Es wird viel über sogenannte Spielpartner und Affären gesprochen, die man sich nur sucht, weil die Neigungen so gut zueinanderpassen, und viele möchten wissen, wie sie einen Partner finden, mit dem sie ihre Neigungen ausleben können.

Leute, im Ernst, warum ist Sex denn so wichtig? Ich denke auch, dass Sex in einer Beziehung eine große Rolle spielt, aber diese Sexfixiertheit außerhalb von Beziehungen stört mich gerade gewaltig. Man lernt Leute kennen und screent sie erst einmal auf ihre sexuellen Vorlieben, bevor man den Menschen dahinter kennen lernt. Denjenigen, die einen Partner suchen, wird immer wieder gesagt: Halte die Augen offen, geh raus auf die Straße, lern Leute erst mal richtig kennen, bevor du nach ihren Präferenzen im Bett siehst. Aber dieselben Leute, die das immer wieder sagen, könnten keinen Vanilla Partner haben. Wir sagen, dass wir vielen Leuten gegenüber offen sind und lernen auch immer neue Menschen kennen – auf Stammtischen und Channeltreffen. Somit ist sofort klar, dass es ein gemeinsames Interesse gibt – BDSM.

Auf der einen Seite finde ich es wirklich gut, dass die SMJG jungen Leuten eine Anlaufstelle gibt, zu der sie kommen können, wenn sie von ihren Gedanken und Wünschen verwirrt sind. Auf der anderen Seite baut sich da ein kompliziertes inzestuöses Gewebe auf, in dem es vor allem um eins geht: Sex. Oder eben nicht Sex, denn “BDSMler haben keinen Sex”.

Auch Vanillas haben Affären. Auch Vanillas reden über Sex. Aber in der BDSM-Szene hat sich diese Diskussion so losgelöst von der Realität, dass es uns immer mehr wie eine Lebensweise scheint, anstatt wie die sexuelle Vorliebe, die BDSM eigentlich ist. Ich rede gern über Sex, sonst würde ich ja wohl auch kaum diesen Blog führen. Und wie gesagt, ich beobachte an mir selbst genau diese Sexfixiertheit. Ohne arrogant klingen zu wollen, kann ich doch sagen, dass ich nicht unbedingt Schwierigkeiten habe, einen Partner zu finden. Und wenn ich dann so überlege, ob ich es drauf anlegen soll, im “Reallife” jemanden zu finden, der möglicherweise von meinen Phantasien abgestoßen ist oder ob ich nicht lieber jemanden nehme, bei dem ich schon weiß, dass unsere Neigungen zueinander passen, dann ergibt sich schon rein logisch eher letzteres. Das gefällt mir aber überhaupt nicht. Man schließt Menschen von vornherein aus, nur weil sich Probleme ergeben könnten, die sich möglicherweise ohnehin lösen, wenn man miteinander redet? Das kann doch nicht sein! Es ist aber so. Was aber viel schlimmer ist, ist dass man sich durch diese Sexfixiertheit selbst zum Sexobjekt reduziert. Männer mögen Sex und sexuell offene Menschen. Es kommt relativ häufig vor, dass sie schon sehr schnell schauen wollen, wie es bei der anderen Seite mit der sexuellen Experimentierfreudigkeit aussieht. Wenn ich nun aber das Thema begeistert aufgreife und ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudere, erwecke ich gerade dadurch, dass ich eine Menge ausprobiert habe, natürlich Interesse – aber eben rein sexuelles Interesse. Mir ist das bisher nie so stark aufgefallen, da ich schon eher nach Sex suche als nach Beziehungen, von daher ist es mir nur recht, wenn es schnell um Sex geht. Aber wenn ich einmal genauer darüber nachdenke, finde ich es doch nicht mehr schön, so auf Sex reduziert zu werden – was aber nur gemacht wird, weil ich mich selbst reduziere.

Ist es nicht viel spannender, auf eine Frage, die sich auf die  Sexualität des anderen bezieht, einen vielsagenden Blick zu bekommen und ein “Davon erzähle ich dir vielleicht später einmal.” als direkt mit den intimsten Details überfallen zu werden? Gut, letzteres ist natürlich überzogen, aber an sich versteht ihr denke ich, was ich meine. Wir neigen dazu, das Thema Sex begeistert aufzugreifen. Wir mögen die Provokation, wir mögen das Anders-Sein und wir nutzen jede Gelegenheit, um darüber zu reden, weil wir selbst immer noch und obwohl wir es gut verdrängen unsicher sind, ob das so alles in Ordnung ist. Ich habe festgestellt, dass Menschen, die mit ihrem BDSM komplett im Reinen sind und tief in sich ruhen weniger darüber reden als solche, die immer und immer wieder neues ausprobieren und jedem “Trend” hinterherrennen. Waterboarding, Nadeln, Cellpopping, Cutting und jetzt ist es gerade Rapeplay. Es reicht nicht mehr, die Vanillawelt zu provozieren und stetig zu mehr Toleranz aufzufordern, weil wir ohnehin ein bisschen arrogant von oben auf die “Stinos” hinabschauen, weil unser BDSM ja so viel intensiver ist, als deren Sex je sein kann. Also lassen wir die Vanillas komplett außen vor und fixieren uns noch mehr auf “unsere Welt”, in der Menschen nun nicht mehr nach Kategorien wie Top, Bottom und Switch aufgeteilt werden, sondern danach, wie extrem ihr BDSM ist. Dabei wird eine völlig von der Realität abgehobene Wertung von “normal”, “extrem” und “krank” geschaffen. Spanking ist völlig normal, Nadeln und Rapeplay sind schon ein bisschen extremer und ein Nazifetisch ist krank (wobei ich selbst zugeben muss, bei diesem Fetisch tatsächlich nicht mehr auf “your kink is not my kink, but it’s okay” zurück zu kommen, sondern es tatsächlich einfach nicht verstehe, nicht toleriere und erst recht nicht akzeptiere). Fetische bei Fetlife danach zu benennen, dass Langzeitentführte manchmal mit ihrem Peinigern kooperieren und sympathisieren (Stockholm Syndrom), sie nach einem Strafbestand zu benennen nicht mehr. Wir maßen uns an, entscheiden zu können, was noch okay und was krank ist ohne zu beachten, dass Vanillas alles, was wir machen, für völlig krank ansehen würden. Wir leben einfach in einer völlig anderen Realität, in einer Realität, in der sich alles um Sex dreht. Wir kämpfen nicht mehr darum, toleriert zu werden, sondern wir grenzen uns ab, machen uns über Vanillas lustig und verwehren den “zu extremen” Praktiken jegliche Toleranz. Merkt ihr, wie sehr uns das beschränkt? Und dabei ist es doch nur Sex…

Es ist schade, dass bei Fetlife so viele als “Fetisch” eingetragen haben, dass sie als Mensch gesehen werden und nicht sofort danach bewertet werden wollen, was sie anmacht, aber sich dann trotzdem auf diese Diskussionen über das “Was kann man eigentlich noch tolerieren?” einlassen. Sie steigern sich so sehr hinein, lassen sich von den Trollen den Tag versauen und bewerten letztendlich die Urteilsfähigkeit von Menschen nach deren Fetischen.

Sorry, aber das mache ich nicht mehr mit. Ich finde jetzt meinen eigenen Weg und zwar ganz ohne die Szene. Und wenn ich mich in einen Vanilla verlieben sollte, dann ist das völlig in Ordnung, weil das vermutlich ein ziemlich toller Mensch ist, sonst würde ich mich ja nicht verlieben. Ich will niemanden mehr nur treffen, weil zufällig unsere Neigungen zueinander passen. Ich will nicht mehr auf Sex reduzieren und ich will auch nicht mehr darauf reduziert werden.

Ich plädiere immer noch für Toleranz gegenüber BDSMlern, aber ich hätte es gern, wenn diese Diskussion wieder geführt werden könnte, weil BDSM genauso wie Homosexualität eine Präferenz ist, die einfach nicht wichtig ist, wenn es um die Menschen selbst geht. Dann geht es nämlich nicht darum, welche Praktik nun in Ordnung ist oder nicht, sondern einfach darum, Menschen im Bett machen zu lassen, worauf sie Lust haben. Was das ist will ich meistens gar nicht so genau wissen, denn schließlich ist das auch eine höchst intime und private Sache. Nur in der Szene wird dieses Private plötzlich ans Licht gezerrt und in den Mittelpunkt gestellt, durchleuchtet und bewertet. Dabei ist die Szene eigentlich ein großartiger Halt für die, die sich anders und unverstanden fühlen. Diese Seite geht völlig unter und das finde ich unglaublich schade.

Ich finde nicht, dass man alles tolerieren muss. Auch bei mir ist irgendwo Schluss. Auch ich setze für mich selbst Maßstäbe, was ich noch in Ordnung finde und was zu viel ist. Aber bevor wir diskutieren, wo die Grenzen gesetzt werden, sollten wir uns vielleicht erst einmal selbst kritisch betrachten und überlegen, ob wir tatsächlich unser ganzes Leben so sehr auf Sex fixieren wollen. Ich will es jedenfalls nicht und deswegen halte ich mich jetzt erst einmal aus der Szene fern. Ich möchte Leute kennen lernen, ohne zu wissen, worauf sie im Bett stehen. Ich möchte, wenn sich dann doch herausstellen sollte, dass sie auf BDSM stehen, nicht sichergehen, dass sie auch “auf nichts total Krankes” stehen. Ich möchte einfach nur Menschen auf der selben Augenhöhe begegnen und sie kennen lernen. Zum Sex kommt es noch früh genug.

Der Fall DSK

Ich habe gerade gelesen, dass es im Fall von DSK (Dominique Strauss-Kahn) zu einer Wende gekommen sein soll. Anscheinend gibt es Zweifel an der Aussage des Zimmermädchens.

 

Dominique Strauss-Kahn (DSK) - schuldig oder Opfer einer "Verschwörung"?

Die Web/gmx.de Nachrichten sagen dazu:

So habe das Zimmermädchen laut “NYT” einen Tag nach dem inkriminierten Vorfall mit einem inhaftierten Mann telefoniert. In dem Telefonat, das aufgezeichnet worden sei, habe sie besprochen, welche Vorteile sie “von der Weiterführung der Vorwürfe” gegen Strauss-Kahn haben könnte. Ihr Telefonpartner, der wegen Besitzes von 400 Pfund Marihuana in Haft sitze, habe in den vergangenen zwei Jahren rund 100.000 Dollar auf das Bankkonto des Zimmermädchens überwiesen, berichtet die “NYT” weiter.

Möglicherweise wurde die Aussage der Frau also gekauft. Aber von wem?
Was ist hier los? Ist es wieder eine Frau, die durch Lügen jemanden hinter Gittern und ihn um seine Ehre bringt? Genau wie anscheinend bei Kachelmann?
DSK soll nun wahrscheinlich erleichterte Haftbedingungen bekommen, eventuell freigelassen werden. Nicht gut, wenn er die Frau tatsächlich vergewaltigt hat (es wurde zumindest nachgewiesen, dass sie Sex hatten), aber wenn er unschuldig sein sollte… Ich bin gerade wirklich verwirrt, ich weiß nicht mehr, was ich glauben soll. Viele Franzosen halten sehr viel von DSK und sind wahnsinnig enttäuscht von ihm. Was, wenn diese Enttäuschung unberechtigt ist? Wird er dann weiterhin für das Amt des Staatspräsidenten kandidieren oder ist seine Karriere zerstört?
Und wenn ihre Aussage missverstanden wurde, er deswegen aber frei kommt, obwohl er doch schuldig ist? Was ist das bloß für eine Welt, in der die Lügen regieren…
Ich will nicht Richter sein müssen…
Was denkt ihr über die ganze Sache?

Je ne puis demeurer loin de toi plus longtemps.

Über Fernbeziehungen und ihre Probleme

Ich möchte euch etwas gestehen: Ich habe mich verliebt. Typischerweise nicht auf den ersten oder zweiten, sondern auf den fünften Blick, aber es ist eine sehr, sehr starke Liebe. Ich habe das Gefühl, dass meine Liebe von ihr auch erwidert wird. Ja, von “ihr”. Sie ist wunderbar, lebendig, rauschend, exzentrisch, manchmal etwas ungepflegt, lebensfroh und sehr vielfältig. Nun will ich euch nicht länger auf die Folter spannen: Das Objekt meiner Liebe ist Paris. Ich bin nicht in die kulturelle Seite der Stadt verliebt, auch wenn mir diese schon immer gefallen hat – nein, ich glaube, dass ich auch wenn ich gar nicht so oft direkt in der Innenstadt war den Geist von Paris kennen und lieben gelernt habe.

In den letzten Tagen kam mir der Gedanke, dort hin zu ziehen. Ich weiß nicht, ob das funktioniert – die Bewerbungen für die französischen Unis laufen etwas früher als hier. Jedenfalls hat mich das alles darüber nachdenken lassen, wie es eigentlich ist, alles hinter sich zu lassen. Ob Freundschaften so etwas aushalten, ob Beziehungen so etwas aushalten.

Fernbeziehung - in Zeiten des Internet leichter als je zuvor, aber dennoch sehr schwer

Eine Freundin von mir, die ich ob ihrer Kraft, das zu schaffen, sehr bewundere, führt eine Fernbeziehung über 6000km. Natürlich ist das ein Extrembeispiel, aber es zeigt, dass es möglich ist, Beziehungen über eine solche Distanz weiter zu führen. Es ist schon ein großer Unterschied, ob man sich mal eben auf’s Fahrrad schwingt, um zum Partner zu fahren oder ob man Wochen vorher den Flug bucht, um ja den Frühbucherrabatt zu bekommen. Vor allem stellt sich die Frage, wie lange so etwas gut gehen kann. Wer wegzieht, sei es aus der Stadt oder aus dem Land oder dem Kontinent, muss eventuell eine Entscheidung treffen zwischen nahestehenden Personen und persönlichen Zielen. Und an genau diesem Punkt werde ich vielleicht relativ bald stehen.

Wie führt man denn nun am besten eine Fernbeziehung? Ich muss ehrlich sagen, dass ich damit überhaupt keine Erfahrung habe. Mir stellen sich viele Fragen. Unterscheiden sich Poly-Fernbeziehungen von “normalen” Fernbeziehungen? Gibt es in Fernbeziehungen größere Probleme mit der Eifersucht geben? In meiner Zeit in Paris habe ich gemerkt, dass es wichtig für einen Partner sein kann, dennoch Teil des Lebens des Partners zu sein, ob sich das nun in Guten-Morgen-SMS oder abendlichen Anrufen, langen Chatgesprächen oder Erlebnisberichten nach einer längeren kontaktlosen Zeit äußert. Ich habe schon viele meiner Freunde sagen hören, dass ihr Partner auch ihr bester Freund ist – und ich denke, dass genau das in einer Fernbeziehung von Vorteil sein kann. Wenn der Partner (oder natürlich auch die Partnerin) mitbekommt, was abläuft, wenn er das Gefühl hat, bei Problemen helfen zu können, dann weiß er, dass er, so weit er auch weg ist, immer noch irgendwie “dabei” ist. Mir fällt das etwas schwer, aber für eine Beziehung muss man eben auch Opfer bringen.

Die Freundin mit der “Extremfernbeziehung” skypt übrigens sehr häufig mit ihrem Partner – über Skype lassen sich generell ganz… interessante Dinge anstellen.

Was die Eifersucht angeht, denke ich, dass es gerade in Fernbeziehungen wichtig ist, dem Partner sehr zu vertrauen – und selbst vertrauenswürdig zu sein. Wenn jemand einfach nicht mehr so leben mag, dann muss das offen gesagt werden. Genauso wichtig ist es, den Partner vorzuwarnen, wenn es andere potenzielle Partner gibt. Ich denke, dass jemandem, der den weit entfernten Partner betrügt, auf keinen Fall mehr in irgendeiner Weise vertraut wird. Es ist schließlich kaum “Kontrolle” da und zu erfahren, dass der Partner sich für jemand anderen interessiert, wahrscheinlich, weil man selbst nicht da ist, stelle ich mir wirklich sehr unangenehm vor. Für polygame Beziehungen gibt natürlich ebenso, dass Partnerschaften außerhalb der Beziehung abgesprochen werden müssen.

Meiner Meinung nach brauchen Beziehungen eigentlich immer auch eine Zukunftsperspektive. Für manche Beziehungen reicht da sicherlich die Planung von gemeinsamen Urlauben, aber wenn es ernster ist, sollte man sich doch einmal fragen, wie es später einmal werden soll. Ist der Partner nur für das Studium in einer anderen Stadt oder im Ausland? Wo werdet ihr später leben? Habt ihr ähnliche Zukunftspläne?

Eine letzte Frage, die mir zum Thema einfällt, ist: Wie sieht es mit dem limitierenden Faktor Geld aus? Wenn beide Partner absolut mittellos dastehen, aber ein ganzer Ozean sie trennt, werden sie sich wohl eher sehr, sehr selten sehen. Ist es für beide erschwinglich, sich so oft zu sehen, dass niemand vor Sehnsucht geradezu umkommt?

All das beschäftigt mich sehr und ich hoffe, dass ich eine Lösung finde, die mich glücklich macht. Ganz allein entscheide ich schließlich auch nicht – die Uni hat da noch etwas mitzureden.

Ein Umzug würde übrigens zu ein paar Änderungen hier führen. Ich könnte in diesem Fall auch über Locations in Paris berichten und vor allem würde ich die Seite dann wahrscheinlich zwei- oder sogar dreisprachig aufziehen. Ob und in wie weit das die Anzahl der folgenden Artikel beeinträchtigt, kann ich nicht sagen. Oh, und ihr müsst wohl oder übel mit ein paar französischen Artikel-Titeln leben, aber keine Sorge, ich übersetze^^. Dieser Titel hier, Je ne suis demeurer loin de toi plus longtemps, ist ein Ausschnitt aus einem Gedicht von Victor Hugo. Inhaltlich passt das Gedicht überhaupt nicht zu diesem Artikel, aber ich fand den einen Satz sehr schön, um die Probleme von Fernbeziehungen zu beschreiben. Er bedeutet vom Sinn her: Ich kann nicht mehr länger ohne dich sein.

Habt ihr schon einmal alles hinter euch gelassen, um “euer Glück zu finden”? Führt ihr eine Fernbeziehung und habt weitere Tipps?

Viel Lärm um nichts – Freispruch für Kachelmann

Aus den GMX- (und Web.de-, die ja die selben sind) Nachrichten habe ich gerade erfahren, dass Kachelmann freigesprochen wurde.

Der Kachelmann-Prozess: Vergewaltigung und Misshandlung oder einvernehmliches BDSM? Foto: DPA

Wer trotz des Riesenrummels, das um die Sache gemacht wurde, nichts mitbekommen hat: Kachelmann wurde von einer Ex der Vergewaltigung angeklagt. Außerdem soll er sie geschlagen und erniedrigt haben. Es stand Aussage gegen Aussage und sie hatte sich während des Prozesses mehrmals korrigiert, Meinungen geändert…

Der STERN schreibt dazu:

Am angeblichen Tatmesser wurden nur sehr wenige Spuren gefunden, Mays Verletzungen am Hals und an den Beinen halten einige Gutachter wahrscheinlich für Selbstverletzungen. Oltrogge versucht es mit dem Ausschlussverfahren. Eine Selbstverletzung mit dem Messer sei unwahrscheinlich, die Rechtsmediziner hätten ähnliche Wunden mit ihren Versuchen auch nicht zustande gebracht. Zudem müssten dann mehr DNA-Spuren am Messer gewesen sein.

In der SMJG wurde heiß diskutiert, ob die ganze Sache mit den Schlägen nicht SSC (Safe, Sane, Consensual) war und anscheinend ist letzten Endes auch genau das heraus gekommen. Die Vergewaltigung war wohl komplett erfunden.

So etwas ist wohl einfach die Gefahr, in der BDSMler schweben. Es ist leicht, jemanden anzuklagen, der einen wirklich geschlagen hat, denn viele Richter sind immer noch entweder uninformiert oder intolerant, was BDSM angeht. Einvernehmliches Sexualleben hinterher als Sexualverbrechen des Partners darzustellen finde ich in höchstem Maße unfair. Einmal diffamiert es die ganze BDSM-Szene und zum anderen macht gerade dieser Prozess es für wirkliche Vergewaltigungsopfer schwerer, die Täter zu verklagen.

Was denkt ihr über diesen Prozess? Meint ihr, Kachelmann solle seine Ex jetzt wegen Rufmordes o.ä. verklagen?

Innere Konflikte einer BDSMlerin

Gestern war wieder so ein Tag, an dem ich mich gefragt habe, warum ich das alles eigentlich mache. Warum bei mir “harter Sex” noch etwas weitläufiger definiert ist als in den meisten Fällen. Warum ich kein “normales” Sexleben habe. Mein Partner sagt, ich hätte keins, weil ich eigentlich gar keins wolle. Weil ich eben auf spezielle Praktiken stehe.

Das Problem ist, dass ich das gar nicht immer tue. Manchmal ist in mir die perfekte Sklavin, die nur noch dienen und für ihren Herrn leben will, manchmal eine Rebellin, die nicht versteht, wie man sich jemandem unterwerfen und Schmerz genießen kann und meistens irgendein Zwischending, das ab und zu ganz schön verwirrt ist. Wie kann ich freiwillig meine Hand hinhalten, um gefesselt zu werden?

Wie kann ich mich freiwillig in einigen Bereichen kontrollieren lassen? Warum kann ich nicht einfach masturbieren, wann und wie oft ich will, ohne dass ich ab und zu das Bedürfnis danach habe, darum zu bitten oder dafür bestraft zu werden, nicht darum gebeten zu haben? Wie kann ich eine Strafe in meinem tiefsten Inneren doch genießen, obwohl Schläge auf meine Oberschenkel einfach nur so verdammt weh tun, dass selbst mein Körper kein Gefühl der Befriedigung mehr zeigt? Ich meine – Kuschel-BDSM ist ja in Ordnung, das machen so viele, aber warum mag ich manchmal die noch härtere Variante? Und warum manchmal nicht? Ab-und-zu 24/7 ist doch total paradox, das geht nicht!

Und um das Essentielle zusammen zu fassen: Wer bin ich?

Diese Existenzfrage stellt sich glaube ich jeder BDSMler ab und zu. Ich habe die Phase am Anfang übersprungen, weil ich sofort Leute getroffen habe, die wie ich ticken, aber jetzt kommt sie langsam doch durch, weil ich meine Neigung weiter untersucht und Aspekte gefunden habe, die mir nicht gefallen. Aber irgendwie dann doch. Ist das krank? Der verdammte ICD-10 sagt, ja. Störung der Sexualität. Ich sage in meinen Hochphasen Nein. Individuelle Bedürfnisse und im Übrigen ja sowieso einvernehmlich. Aber was, wenn ich mich nach Uneinvernehmlichem sehne? Nach dem absoluten Consensual-Noncon (denn wenn ich mich danach sehne, ist es ja nicht nur Noncon)? Was sind das für Gedanken? Darf ich die haben?

Ja. Darf ich. Ich darf sowieso alles, solange ich die Konsequenzen tragen kann. Das gilt im Leben wie auch in meiner BDSM-Beziehung. Und deswegen bin ich doch stolz darauf, anders zu sein. Besonders. Ich kann immer noch frei entscheiden und so lange ich das kann, bin ich ich selbst, bin ich Mensch. Da kann kein ICD-10 etwas dran rütteln.

Was tun gegen Schmerzen beim Sex?

Aus welchen Gründen kann ein Mädchen Schmerzen beim Sex haben und wie verhält man sich in einer solchen Situation? Wie lassen sich Schmerzen verhindern?

Bei einer Freundin von mir war es wahrscheinlich so, dass die Schmerzen vor allem psychischer Natur war. Aus zahlreichen Gesprächen kam hervor, dass sie nicht entspannt, sondern sehr verkrampft war, nachdem das Erste Mal so schmerzhaft gewesen ist. Auch verabscheute sie seinen Gesichtsausdruck, wenn ihn die Gier packte. Ein weiterer Grund ist, dass sie seine Geräusche, seine Gestik und Mimik beim Orgasmus nicht mochte. Er erregte sie nicht, deswegen war sie nicht feucht genug und vor allem glaubte sie, Sex haben zu müssen. Vielleicht spielt eine gewisse Enge auch eine Rolle.

Stopp sagen!

Beim Sex mit dem zweiten Mann war sie zunächst sehr verkrampft, als die beiden aber abbrachen, wusste sie, dass das nicht schlimm war. Sie hatte gemerkt, dass es jemandem nicht egal war, was sie spürte. Außerdem war sie mit ihm nur befreundet und es wäre überhaupt kein Problem gewesen, wenn es mit dem Sex nicht geklappt hätte. Der Sex war nicht dazu da, jemandes Bedürfnis zu befriedigen, sondern Spaß zu haben. Sie sagte mir, der Sex sei egoistisch und auf ihr Vergnügen bedacht, aber es gefalle ihr wahnsinnig, wenn sie merke, dass auch er seinen Spaß hat.
Vielleicht ist es etwas wie psychisch bedingter Vaginimus. Wenn sie aber jemanden hat, der ihr ihre Ängste, Hemmungen und Verkrampfung nehmen kann, ist Sex auch für sie unglaublich schön.

Ich glaube, dass Entspannung das Wichtigste beim Sex ist; eine schöne Atmosphäre, Wärme und ein wenig Hemmungslosigkeit. Dann Erregung, aufheizen, bis man es nicht mehr aushält, das Gefühl hat, auszulaufen, die Gier nicht mehr unterdrücken zu können. Den eigenen Körper zu kennen, zu wissen, was einem gefällt, ist sicher auch sehr hilfreich. Und schließlich Vorsicht. Langsam vorgehen, sich nicht unter Druck setzen lassen, Erwartungen nicht zu hoch setzen. Feedback geben ist essentiell! Ist es gut so, tut es weh, wo tut es weh, tut es in einer bestimmten Stellung weh?

Maya meint, dass sie, wenn sie nicht ganz sicher ist, ob sie Schmerzen haben wird (denn manchmal sind sie leider immer noch da), am liebsten nach oben geht, weil sie da die Geschwindigkeit des Einführens und der Bewegungen an sich am besten kontrollieren kann.

Und niemals, nie, nicht Orgasmen vorspielen und die eigenen Gefühle zurückstecken… Aber das sollte wohl klar sein… Und zum Arzt gehen ist sowieso nicht verkehrt, manchmal können Ärzte wirklich helfen. Es gibt zum Beispiel für Patientinnen mit Vaginismus spezielle Behandlungsmöglichkeiten wie Vaginaldilatoren, die zugegebenermaßen ziemlich furchteinflößend aussehen, und Beckenbodentraining.

Da es wichtig ist, möchte ich noch einmal betonen, dass Schmerzen beim Sex auf keinen Fall verschwiegen werden dürfen! Maya wäre beinahe daran zerbrochen. Wenn es wirklich nicht klappt, muss der Sex auf jeden Fall abgebrochen werden. Daran ist nichts schlimmes und ich kann mir nicht vorstellen, dass normal denkende Menschen es schön finden, mit jemandem zu schlafen, wenn derjenige Schmerzen hat.