Fuck you, I’m a princess.

Als ich ein Kind war, waren die Tage unendlich lang, und wenn ich mich jetzt zurückerinnere, war es immer Sommer und es waren immer Ferien. Ich war nie eine Prinzessin. Ich wollte auch nie eine Prinzessin sein. Viel lieber habe ich mich mit den Kindern aus der Nachbarschaft geprügelt und bin in der Wildnis nahe unserem Haus herumgestriffen, bis es Abendessen gab. Dementsprechend waren meine Knie ständig aufgeschlagen, meine Hosen hatten Grasflecken und in meinen Haaren hingen Kletten. Nein, ich war definitiv keine Prinzessin.

Bei Fetlife kann man eingeben, nach was man gerade auf der Suche ist, und unter anderem ist “Princess by day, slut by night” eine Option. Ich finde das Konzept wunderschön, weil es für mich der Inbegriff des BDSM ist. Stellt euch ein Paar vor (ich habe da eines vor Augen, das gerade zwei Jahre zusammen ist – herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle!); äußerlich größtenteils dem entsprechend, was weitläufig als “normal” angesehen wird, sie eine hübsche, etwas zurückhaltende Studentin, er ein zuvorkommender, höflicher junger Mann, der ihr die Tür aufhält und sie mit diesem besonderen Blick ansieht, der zeigt, wie gern er sie hat. Von außen würde man denken, dass sie einfach ein ganz normales gleichberechtigtes Pärchen wären, und in einer gewissen Weise sind sie das auch. Nie würde man denken, dass es ihm Spaß bereitet, sie zu quälen, nie, dass sie es genießt, ihm zu dienen. Er trägt sie auf Händen und gleichzeitig unterwirft er sie. Er macht ihr Komplimente und wenn sie spielen, erniedrigt er sie mit seinen Worten. Das ist für mich BDSM. Es ist ein Spiel, und selbst wenn ihr Machtverhältnis ständig vorhanden sind, so haben sie doch beide in wichtigen Entscheidungen Mitspracherecht und wissen, dass sie vor allem Menschen sind.

Ich zeige in der Semiöffentlichkeit (sprich: wenn man unter weiteren BDSMlern oder zumindest Eingeweihten ist) ungern, das ich Sub bin. Ich bin sehr schnell darin zu betonen, dass ich switche – und das ist eigentlich traurig, denn dieses Verhalten habe ich mir angeeignet, weil mir bei Gesprächen mit zu vielen Männern schnell klar wurde, dass sie, selbst wenn sie selbst gar nicht direkt die Intention haben, mich unterschwellig als Sub betrachten. Natürlich ist mir klar, dass wenn man sich mit BDSMlern trifft, man erst einmal glücklich ist, Leute um sich zu haben (über die Sexualisierung von Menschen habe ich hier schon einmal geschrieben), mit denen man offen reden kann, aber dennoch spielt mir – wie gesagt leider vor allem bei Männern – zu oft die Stellung, die ich manchmal im Bett einnehme, zu sehr ins Gespräch mit hinein.

Es mag sein, dass ich überempfindlich bin, aber mir sind kleine Bemerkungen, die auf meine Rolle (die ich ja selbst beim Spiel nicht einmal immer einnehme) anspielen, wirklich unangenehm. Wenn ich jemanden herausfordern ansehe, muss ich mir dann wirklich von einem anderen Top erzählen lassen, dieser Blick sei “unangemessen” gewesen? Wenn ich auf einen Stammi in einer anderen Stadt eingeladen werde, muss dann wirklich noch erwähnt werden, sie bräuchten dort “Subverstärkung”, weil alle nur Switcher seien? Muss ich mich beleidigen lassen mit den Worten “du stehst doch eh drauf”? Muss ich mir, wenn ich wegen Post-Spiel-Schmerzen jammere, erzählen lassen, ich würde das doch genießen?

Treffe ich einfach die falschen Leute, lege ich es darauf an, reagiere ich über, ist das “eben so”, wenn man sich trifft und die eigene Sexualität mehr oder weniger offen legt oder sind viele Männer einfach tatsächlich so respektlos? Ich mag mit dieser Frage vielen Unrecht tun und darüber bin ich froh, denn es zeigt, dass es auf jeden Fall auch anders geht. Dennoch würde ich wirklich gern wissen, woran es liegt, dass ich mir ständig dumme Sprüche anhören muss (was übrigens einer der Gründe ist, aus denen ich mich aus der Szene erst zurückgezogen habe und mich dort nun nur sehr vorsichtig bewege).

Ich bin vor allem Mensch, und so sehr das gerade im Forum der SMJG und in den Fetischlisten bei Fetlife betont wird, was ich wirklich gut finde, so wenig sehe ich es in den tatsächlichen, realen zwischenmenschlichen Interaktionen. Im realen Leben möchte ich Prinzessin sein, ich möchte respektiert und beschützt werden. Ich renne nicht mehr in der Wildnis herum. Meine Knie sind selten blutig, meine Haare meist klettenfrei. Ich bin (ein bisschen) erwachsen geworden und ich möchte wie eine Lady behandelt werden. Im Bett darf das gerne ganz anders aussehen.

Vielleicht bringt die Szenenbewegung die Sexualität einfach (für mich) zu sehr ins reale Leben. Aber wir können ja zum Glück selbst entscheiden, mit was für Leuten wir uns umgeben möchten und versuchen, die Idioten einfach zu ignorieren. Alle lieben Menschen dürfen sich hiermit angesprochen und ganz fest umarmt fühlen. Ich bin froh, dass es euch gibt. Und jetzt gerade bin ich ganz besonders froh über denjenigen, der mich “Prinzessin” nennt und mich damit zu diesem Artikel inspiriert hat.

Schlag mich und ich bin dein.

BDSM Inhalte

Ihr werdet vermutlich mitbekommen haben, dass ich in den letzten Wochen darüber nachgedacht habe, wie meine Sexualität nun aussehen soll und welchen Stellenwert BDSM darin spielen soll. Von der Szene habe ich mich komplett zurückgezogen und auch in meinem Sexleben war zunächst wenig BDSM zu finden. Nun komme ich langsam wieder zurück. Letztens sagte ich zu einem Freund, dass ich glaube mit Dauer einer Beziehung immer schwerer erregbar zu werden, was glaube ich ein allgemeinbekanntes Phänomen und vermutlich dem Alltag zuzuschreiben ist, der einen auf Dauer träge machen kann. Dann fügte ich hinzu, dass ich allerdings mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit erregt werde, wenn ich geschlagen werde – wobei mir plötzlich auffiel, dass mein Körper meistens selbst dann erregt ist, wenn ich es kopfmäßig gar nicht so gern mag. Natürlich hat auch mein Masochismus Grenzen, aber ich finde es interessant, wie stark er eigentlich ist. Eigentlich glaube ich, wenn ich jemanden wirklich liebe auch eine Beziehung ohne BDSM führen zu können, weil Sex nun mal auch nicht das Allerwichtigste ist – aber ich scheine es doch mehr zu brauchen, als mir eigentlich lieb ist.

Nun gibt es immer zwei Wege, mit etwas umzugehen, das einem an einem selbst nicht gefällt: Es ändern oder es akzeptieren. Im Fall meines Masochismus wäre es lächerlich, etwas ändern zu wollen, denn solange ich jemanden habe, der verantwortungsvoll mit mir spielt schadet es mir ja nicht. Ich sehe BDSM als Bereicherung des Sexlebens, und weder möchte ich es ganz daraus verbannen, noch komplett darauf angewiesen sein. “Maßvoll” heißt hier das Zauberwort.

In der Zeit, als ich kopfmäßig mit BDSM Schwierigkeiten hatte, klappte auch das Spielen überhaupt nicht. Mittlerweile funktioniert alles wieder wunderbar, was mich ein wenig schmunzeln lässt; ich habe mein Sexleben als ein wenig “problematisch” eingestuft, weil ich wenig BDSM darin wollte – nun ist alles wieder in Ordnung, weil wieder mehr darin enthalten ist. Geht man vom Standpunkt der Gesellschaft aus, wäre es ja “normaler”, weniger BDSM auszuleben.

Es gibt diesen schönen Spruch: Was du liebst, lass frei. Kommt es wieder, gehört es dir für immer. Ich weiß zwar noch nicht, wie die Zukunft aussehen wird, habe allerdings erkannt, dass ich BDSM daraus wohl nicht verbannen kann, sollte und will. Ich mag es einfach zu sehr – also kehrte ich zurück.

Ich komme mir übrigens ein wenig sprunghaft vor, aber ich bin jung, ich darf das. Hattet ihr auch Phasen, in denen ihr nicht so recht wusstet, was ihr wollt?

Realitätsverlust

Diese  Artikel ist teilweise eine Erklärung für den letzten, in dem ich erzählt habe, dass ich in die Antarktis auswandere. Mir sind einige Dinge aufgefallen, die mich schon länger stören, mit denen ich aber immer irgendwie klar gekommen bin, beziehungsweise deren Anhängerin ich vermutlich selbst war.

Ich habe vor einer Weile geschrieben, dass ich gerade etwas Probleme mit meinen Neigungen habe, dass es irgendwie nicht mehr so gut klappt wie früher. Dazu kommt, dass ich harten Sex um ehrlich zu sein gar nicht mag. Ich meine das, was Vanillas unter hartem Sex verstehen. Schnell, harte Stöße, vielleicht ein bisschen Haareziehen.. Ich mag es einfach nicht. Es hat eine Weile gedauert, bis ich das herausgefunden habe, aber so ist es. Ich mag keinen harten Sex. Kuschelsex – den ich im Übrigen irgendwie nie hatte – oder BDSM. Ansonsten reizt es mich nicht. Ich weiß nicht, woran das liegt, aber ich vermute, dass es ein bisschen daher kommt, wie mein Sexleben bisher aussah. Es gab einfach eine große Fixierung auf BDSM.

Und genau dort liegt das Problem. Es gibt in der ganzen BDSM-Szene eine unglaubliche Fixierung auf BDSM, beziehungsweise Sex. Nicht nur ein Thread befasst sich damit, wie unmöglich eine Beziehung zu einem/einer Vanilla ist. BDSMler berichten, wie Beziehungen kaputt gegangen sind, weil sie ihre Neigungen geäußert haben oder wie sie zerbrochen sind, weil sie ihre Neigung nicht ausleben konnten und das Sexleben darunter gelitten hat. Es wird viel über sogenannte Spielpartner und Affären gesprochen, die man sich nur sucht, weil die Neigungen so gut zueinanderpassen, und viele möchten wissen, wie sie einen Partner finden, mit dem sie ihre Neigungen ausleben können.

Leute, im Ernst, warum ist Sex denn so wichtig? Ich denke auch, dass Sex in einer Beziehung eine große Rolle spielt, aber diese Sexfixiertheit außerhalb von Beziehungen stört mich gerade gewaltig. Man lernt Leute kennen und screent sie erst einmal auf ihre sexuellen Vorlieben, bevor man den Menschen dahinter kennen lernt. Denjenigen, die einen Partner suchen, wird immer wieder gesagt: Halte die Augen offen, geh raus auf die Straße, lern Leute erst mal richtig kennen, bevor du nach ihren Präferenzen im Bett siehst. Aber dieselben Leute, die das immer wieder sagen, könnten keinen Vanilla Partner haben. Wir sagen, dass wir vielen Leuten gegenüber offen sind und lernen auch immer neue Menschen kennen – auf Stammtischen und Channeltreffen. Somit ist sofort klar, dass es ein gemeinsames Interesse gibt – BDSM.

Auf der einen Seite finde ich es wirklich gut, dass die SMJG jungen Leuten eine Anlaufstelle gibt, zu der sie kommen können, wenn sie von ihren Gedanken und Wünschen verwirrt sind. Auf der anderen Seite baut sich da ein kompliziertes inzestuöses Gewebe auf, in dem es vor allem um eins geht: Sex. Oder eben nicht Sex, denn “BDSMler haben keinen Sex”.

Auch Vanillas haben Affären. Auch Vanillas reden über Sex. Aber in der BDSM-Szene hat sich diese Diskussion so losgelöst von der Realität, dass es uns immer mehr wie eine Lebensweise scheint, anstatt wie die sexuelle Vorliebe, die BDSM eigentlich ist. Ich rede gern über Sex, sonst würde ich ja wohl auch kaum diesen Blog führen. Und wie gesagt, ich beobachte an mir selbst genau diese Sexfixiertheit. Ohne arrogant klingen zu wollen, kann ich doch sagen, dass ich nicht unbedingt Schwierigkeiten habe, einen Partner zu finden. Und wenn ich dann so überlege, ob ich es drauf anlegen soll, im “Reallife” jemanden zu finden, der möglicherweise von meinen Phantasien abgestoßen ist oder ob ich nicht lieber jemanden nehme, bei dem ich schon weiß, dass unsere Neigungen zueinander passen, dann ergibt sich schon rein logisch eher letzteres. Das gefällt mir aber überhaupt nicht. Man schließt Menschen von vornherein aus, nur weil sich Probleme ergeben könnten, die sich möglicherweise ohnehin lösen, wenn man miteinander redet? Das kann doch nicht sein! Es ist aber so. Was aber viel schlimmer ist, ist dass man sich durch diese Sexfixiertheit selbst zum Sexobjekt reduziert. Männer mögen Sex und sexuell offene Menschen. Es kommt relativ häufig vor, dass sie schon sehr schnell schauen wollen, wie es bei der anderen Seite mit der sexuellen Experimentierfreudigkeit aussieht. Wenn ich nun aber das Thema begeistert aufgreife und ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudere, erwecke ich gerade dadurch, dass ich eine Menge ausprobiert habe, natürlich Interesse – aber eben rein sexuelles Interesse. Mir ist das bisher nie so stark aufgefallen, da ich schon eher nach Sex suche als nach Beziehungen, von daher ist es mir nur recht, wenn es schnell um Sex geht. Aber wenn ich einmal genauer darüber nachdenke, finde ich es doch nicht mehr schön, so auf Sex reduziert zu werden – was aber nur gemacht wird, weil ich mich selbst reduziere.

Ist es nicht viel spannender, auf eine Frage, die sich auf die  Sexualität des anderen bezieht, einen vielsagenden Blick zu bekommen und ein “Davon erzähle ich dir vielleicht später einmal.” als direkt mit den intimsten Details überfallen zu werden? Gut, letzteres ist natürlich überzogen, aber an sich versteht ihr denke ich, was ich meine. Wir neigen dazu, das Thema Sex begeistert aufzugreifen. Wir mögen die Provokation, wir mögen das Anders-Sein und wir nutzen jede Gelegenheit, um darüber zu reden, weil wir selbst immer noch und obwohl wir es gut verdrängen unsicher sind, ob das so alles in Ordnung ist. Ich habe festgestellt, dass Menschen, die mit ihrem BDSM komplett im Reinen sind und tief in sich ruhen weniger darüber reden als solche, die immer und immer wieder neues ausprobieren und jedem “Trend” hinterherrennen. Waterboarding, Nadeln, Cellpopping, Cutting und jetzt ist es gerade Rapeplay. Es reicht nicht mehr, die Vanillawelt zu provozieren und stetig zu mehr Toleranz aufzufordern, weil wir ohnehin ein bisschen arrogant von oben auf die “Stinos” hinabschauen, weil unser BDSM ja so viel intensiver ist, als deren Sex je sein kann. Also lassen wir die Vanillas komplett außen vor und fixieren uns noch mehr auf “unsere Welt”, in der Menschen nun nicht mehr nach Kategorien wie Top, Bottom und Switch aufgeteilt werden, sondern danach, wie extrem ihr BDSM ist. Dabei wird eine völlig von der Realität abgehobene Wertung von “normal”, “extrem” und “krank” geschaffen. Spanking ist völlig normal, Nadeln und Rapeplay sind schon ein bisschen extremer und ein Nazifetisch ist krank (wobei ich selbst zugeben muss, bei diesem Fetisch tatsächlich nicht mehr auf “your kink is not my kink, but it’s okay” zurück zu kommen, sondern es tatsächlich einfach nicht verstehe, nicht toleriere und erst recht nicht akzeptiere). Fetische bei Fetlife danach zu benennen, dass Langzeitentführte manchmal mit ihrem Peinigern kooperieren und sympathisieren (Stockholm Syndrom), sie nach einem Strafbestand zu benennen nicht mehr. Wir maßen uns an, entscheiden zu können, was noch okay und was krank ist ohne zu beachten, dass Vanillas alles, was wir machen, für völlig krank ansehen würden. Wir leben einfach in einer völlig anderen Realität, in einer Realität, in der sich alles um Sex dreht. Wir kämpfen nicht mehr darum, toleriert zu werden, sondern wir grenzen uns ab, machen uns über Vanillas lustig und verwehren den “zu extremen” Praktiken jegliche Toleranz. Merkt ihr, wie sehr uns das beschränkt? Und dabei ist es doch nur Sex…

Es ist schade, dass bei Fetlife so viele als “Fetisch” eingetragen haben, dass sie als Mensch gesehen werden und nicht sofort danach bewertet werden wollen, was sie anmacht, aber sich dann trotzdem auf diese Diskussionen über das “Was kann man eigentlich noch tolerieren?” einlassen. Sie steigern sich so sehr hinein, lassen sich von den Trollen den Tag versauen und bewerten letztendlich die Urteilsfähigkeit von Menschen nach deren Fetischen.

Sorry, aber das mache ich nicht mehr mit. Ich finde jetzt meinen eigenen Weg und zwar ganz ohne die Szene. Und wenn ich mich in einen Vanilla verlieben sollte, dann ist das völlig in Ordnung, weil das vermutlich ein ziemlich toller Mensch ist, sonst würde ich mich ja nicht verlieben. Ich will niemanden mehr nur treffen, weil zufällig unsere Neigungen zueinander passen. Ich will nicht mehr auf Sex reduzieren und ich will auch nicht mehr darauf reduziert werden.

Ich plädiere immer noch für Toleranz gegenüber BDSMlern, aber ich hätte es gern, wenn diese Diskussion wieder geführt werden könnte, weil BDSM genauso wie Homosexualität eine Präferenz ist, die einfach nicht wichtig ist, wenn es um die Menschen selbst geht. Dann geht es nämlich nicht darum, welche Praktik nun in Ordnung ist oder nicht, sondern einfach darum, Menschen im Bett machen zu lassen, worauf sie Lust haben. Was das ist will ich meistens gar nicht so genau wissen, denn schließlich ist das auch eine höchst intime und private Sache. Nur in der Szene wird dieses Private plötzlich ans Licht gezerrt und in den Mittelpunkt gestellt, durchleuchtet und bewertet. Dabei ist die Szene eigentlich ein großartiger Halt für die, die sich anders und unverstanden fühlen. Diese Seite geht völlig unter und das finde ich unglaublich schade.

Ich finde nicht, dass man alles tolerieren muss. Auch bei mir ist irgendwo Schluss. Auch ich setze für mich selbst Maßstäbe, was ich noch in Ordnung finde und was zu viel ist. Aber bevor wir diskutieren, wo die Grenzen gesetzt werden, sollten wir uns vielleicht erst einmal selbst kritisch betrachten und überlegen, ob wir tatsächlich unser ganzes Leben so sehr auf Sex fixieren wollen. Ich will es jedenfalls nicht und deswegen halte ich mich jetzt erst einmal aus der Szene fern. Ich möchte Leute kennen lernen, ohne zu wissen, worauf sie im Bett stehen. Ich möchte, wenn sich dann doch herausstellen sollte, dass sie auf BDSM stehen, nicht sichergehen, dass sie auch “auf nichts total Krankes” stehen. Ich möchte einfach nur Menschen auf der selben Augenhöhe begegnen und sie kennen lernen. Zum Sex kommt es noch früh genug.

What We Actually Do

Eigentlich sind wir ja einfach nur ganz normale Menschen…

Wir sind überall

Oder auch: Du bist nicht allein.

Als ich angefangen habe, an der Universität zu studieren, meinte irgendwann ein Freund aus BDSM-Kreisen zu mir: “Du, möglicherweise kenne ich eine, die bei dir studiert.” Selbiges stellte sich schließlich auch als wahr heraus. Sie ist Sub und hat sogar letztes Jahr in meinem Wohnheim gewohnt. Wir haben uns getroffen und uns gut verstanden. Nächstes Jahr wollen wir zusammen in ein Zimmer ziehen (die Zimmer sind hier zwar getrennt, aber zwei teilen sich zusammen ein Bad und die Räume plus Bad sind noch mal vom Flur abgetrennt).

Viel mehr als man denken mag genießen die Lust, die es bereiten kann, (sich) zu unterwerfen.

Nun schrieb mich eben diese Freundin gerade an und meinte, sie hätte gerade ein weiteres Mädchen aus unserer Uni auf einer einschlägigen BDSM-Seite gefunden. Ein Mädchen, von dem ich “das” nie gedacht hätte. So kann man sich selbst als BDSMler noch täuschen :) .

Außerdem ist mir hier vor einer Weile ein Mädchen aufgefallen, das immer mit einem dünnen Lederhalsband herumläuft. Zufällig sah ich, dass es hinten ein Schloss hatte. Ich sprach sie irgendwann darauf an, was das zu bedeuten hätte und sie meinte, sie sei froh, dass ich gefragt hätte. Viele würden sich das nicht trauen. Das Halsband zeige ihre Zugehörigkeit zu ihrem Freund. Wir hatten seitdem nicht weiter Kontakt, aber ich finde es einfach erstaunlich, dass man immer und überall auf BDSMler trifft. Sogar da, wo man es am wenigsten erwartet.

Wer auch immer sich da draußen allein mit seiner Neigung fühlt: Es gibt noch mehr! Die wenigsten posaunen laut heraus, worauf sie beim Sex stehen und es gibt immer auch noch andere, die genau so sind wie man selbst.

Alle Fragen, die mit einem “Bin ich eigentlich der Einzige…?” beginnen, kann man grundsätzlich mit einem “Nein!” beantworten.

Früher wart ihr härter

Guten Abend, wehrte Leser! Gestattet mir, euch für einige Augenblicke in das Reich der dunklen Erotik zu nehmen. Dorthin, wo der Unterschied zwischen Mann und Frau fließend ist und manchmal vollends verschwimmt. Dorthin, wo Worte aus dem Kontext genommen und neu interpretiert werden. Sklave, Vergewaltigung, Schmerz. Lasst mich euch an einen nur in der Phantasie bestehenden Ort mitnehmen, an dem sich zwischen Schreie und Schluchzer sehnsuchtsvolles, genießerisches Stöhnen mischt. Ein Ort, an den ihr gelangt, wenn ihr euch von den Worten leiten und verführen lasst, wenn ihr bereit seid, euch ganz zu geben, euch darauf einzulassen, wenn ihr alle bisher gekannten Werte und Normen über Bord werft und dem folgt, was in euch steckt. Ihr entscheidet selbst, wie sehr ihr in diesen Ort eintaucht und in das, was dort geschieht. Die einen streifen ihn nur, nehmen sich Inspirationen daraus mit, die anderen bleiben dort und identifizieren sich mit diesem Ort so stark, dass sie niemals mehr wegziehen wollen.

Captured?

Eine Theorie, die ich einmal gehört habe, besagt, dass Schmerz- und Lustzentrum im Gehirn direkt nebeneinander liegen und teilweise bei Schmerz beide Zentren gereizt werden. Ihr kennt bestimmt auch diesen Adrenalinrausch, den man manchmal hat, wenn man sich richtig schlimm verletzt. Auch damit könnte Sadomasochismus zusammenhängen. Die genauen Ursachen sind immer noch nicht geklärt. Mir wurde einmal gesagt, dass 90% des Masochismus ist, sich darauf einzulassen. Neugierig zu sein, den Schmerz genau zu spüren und sich nicht von ihm, sondern von der Erotik übermannen zu lassen – zu fliegen. Ich halte das durchaus für möglich, schließlich bin ich ein sehr neugieriger Mensch und “damals” (ich fühle mich so alt, wenn ich das Wort “damals” benutze!) wollte ich “es” einfach nur ausprobieren. Neugierde und Offenheit erklären natürlich nicht alles, dennoch mag es der Grund sein, aus dem ich mich zur Zeit von BDSM abgestoßen fühle.

Ja, abgestoßen. Ich habe immer noch ein bisschen Kopfkino, aber es ist sehr viel “harmloser” geworden als früher – und Sex, der früher in meinem Kopfkino höchstens in Form von Vergewaltigung eine Rolle gespielt hat, nimmt immer mehr Raum ein und wird immer detaillierter. Kleine Gewaltszenen in Filmen, die ich früher auf irgendeine Weise doch interessant fand, ekeln mich zur Zeit an. Und als ich letztens mit einem Freund wieder versucht habe zu spielen, konnte ich in dem Schmerz nichts schönes mehr finden, sodass wir abbrachen. Ich hatte nie Probleme, meine Neigungen zu akzeptieren und auf einmal gefallen sie mir nicht mehr. Das “höher, schneller, weiter” von früher hat sich ins Gegenteil umgekehrt. Auch mein Beziehungsidealbild ist nicht mehr unbedingt polyamorös, sondern eher irgendwie undefiniert, mal komplett monogam, mal doch wieder poly. Was ist passiert? Bin ich nicht mehr “pervers”?

Ich persönlich glaube, dass das “nur so ‘ne Phase” ist. Ich komme gerade aus einer sehr intensiven, aber auch sehr schwierigen Beziehung, in der ich meine ersten Erfahrungen im Bereich BDSM gemacht habe. Außerhalb der Beziehung war gerade auf der Sub-Seite eher wenig. Es ist recht einleuchtend, dass ich, wenn ich die Beziehung hinterfrage, auch BDSM hinterfrage. Wie weit wollte ich wirklich gehen und wie viel habe ich nur für meinen Partner getan? Wenn er nicht der Richtige für mich war (wobei ich sicher bin, dass er das zumindest eine Zeit lang war), ist dann BDSM das Richtige für mich? Und nicht zuletzt der klassische Gedanke: Wird es mit einem anderen je so, wie es mit ihm war?

Die Antwort auf die letzte Frage ist: Nein. Es wird nie so, wie es mit einem anderen Menschen war. Menschen sind unterschiedlich. Aber dennoch weiß ich, dass ich wieder jemanden kennen lernen werde, der mich verzaubert – und der mich neugierig macht. Es ist gut, dass ich mein Denken zur Zeit überdenke. Es ist gut, dass ich mich frage, wie viel ich eigentlich noch wild herumvögeln ausprobieren will. Es ist gut, dass ich mich frage, wie mein Beziehungsideal aussieht, auch wenn es letztendlich von dem Partner, den ich treffe, abhängen wird. Und es ist gut, dass ich mein Sexualverhalten hinterfrage, denn nur so kann ich herausfinden, was ich wirklich will. Das ist nicht leicht für mich – ich wusste eigentlich immer recht gut, was ich will und zur Zeit weiß ich gar nichts – aber es ist nötig. Ich muss mich jetzt auf eine andere Reise begeben: Die Suche nach mir selbst. Anscheinend gehört dazu, BDSM nun erst einmal abzustoßen. Da meine Gedanken an softes BDSM allerdings nicht aufhören, vermute ich, dass ich einfach etwas “weicher” werde. Das ist alles etwas seltsam für mich, aber es wird schon alles so seine Wege gehen, dass es am besten für mich ist. Denn erstens kommt es anders und zweitens als gedacht, nicht wahr?

Hattet ihr mal eine Phase, in der ihr keine Lust mehr auf BDSM hattet? Seid ihr mit der Zeit “weicher” geworden?

“Do you want to play rape?” “No!” “That’s the spirit.”

Rapeplay Versuch 3.0

Hartes BDSM, kann möglicherweise triggernd wirken

Ich hatte den Wunsch geäußert, noch einmal Rapeplay auszuprobieren. Ich kann gar nicht ganz sagen, was mich daran reizt. Wahrscheinlich sind es dieses Gefühl vom “überwältigt werden” und die Grenzerfahrung, die mir gefallen. Mein (jetztiger Ex- das hat aber nichts mit dem Rapeplay zu tun)Partner und ich sind immer härter geworden und irgendwie war härteres Rapeplay wohl auch ein logischer weiterer Schritt.

Rapeplay - wie weit kann man gehen?

Ich kam von einem Workshop zurück, schloss meine Zimmertür auf und wollte das Licht anmachen. Da merkte ich, dass er bereits da war und auf mich zukam. Ich wollte ihn umarmen, er hielt mich fest, zog mir einen Sack über den Kopf und band ihn am Hals locker zu. Plötzlich erlosch jeglicher Kampfeswille in mir, ich sackte in mich zusammen, ließ ihn meine Hände mit diesen Plastik-Polizeifesseln fesseln. Er zog mich grob aus, wollte mich zwingen, mich vornüber zu beugen, aber ich leistete Widerstand. Nicht stark, aber ich hatte Angst, dass er mich schlagen wollte. Also zwang er mich zu Boden, versuchte meine Beine zu öffnen. Die Handfesseln schnitten in meine Haut ein, ich konnte nichts sehen, mich nicht wehren, weil meine Hände gefesselt waren und er mich festhielt und ich spürte Tränen aufsteigen. Langsam schlich sich ein “Nein, bitte nicht”-Gefühl ein. Er setzte mir ein Messer an den Hals. Ich spürte, dass es unglaublich scharf sein musste, also bewegte ich mich nicht mehr.

Der Sex tat weh, wahrscheinlich weil ich verkrampft war. Hinterher sagte er, er käme wieder, wenn er Lust hätte. Er redete übrigens Englisch mit mir. Dann verließ er den Raum, ließ mich allein zurück, weinend, zitternd. Eine Minute später kam er wieder, machte das Licht an, nahm mich in den Arm, streichelte und küsste mich, nahm mir den Sack vom Kopf und beruhigte mich wieder. Ich klammerte mich an ihn, bis ich mich wieder beruhigt hatte.

Hinterher stellten wir fest, dass man, wenn man mit diesen Plastikfesseln arbeiten möchte, eine Zange dabei haben sollte. Nur mit viel Kraft und Geduld schafften wir es, sie mit einer Schere aufzuschneiden.

Ungefähr solche Handfesseln benutzt die Polizei. Sie sind ziemlich dick und das Verschließteil lässt sich auf keinen Fall mehr öffnen, wenn es erst einmal zugezogen wurde. Vorsicht beim Spielen damit! Sie lassen sich nicht so einfach wieder zerschneiden.

Was wir gelernt haben: Das Spiel war sehr realistisch. Mir hat es währenddessen überhaupt nicht gefallen, es war reine Kopfsache und ich konnte den Kontrollverlust nur nachher genießen. So zu spielen ist definitiv nicht jedermanns Sache und auch für mich eher eine Ausnahme. Ein bisschen Rapeplay so wie in unserem ersten und zweiten Versuch gefällt mir definitiv besser, allerdings war es schon einmal interessant, eine solch starke Grenzerfahrung zu machen.

SITA-Lexikon: 1950s Household

Ein Aspekt des BDSM, der eigentlich ein eigener Bereich ist und sich genau wie Gor (Informationen über Gor gibt es hier, hier und hier) vom “Rest” etwas abgrenzt, ist das Leben wie in einem Haushalt der 1950er. Im Prinzip sind solche Haushalte eine Art 24/7 oder TPE-Haushalt, es gibt also im ganzen Leben eine klare Rollenverteilung. Der Mann arbeitet, die Frau bleibt zu Hause und kocht, macht den Haushalt, erzieht die Kinder. Es gibt Menschen, die so wirklich sehr glücklich sind. Jeder muss einfach seine eigene Form des Lebens finden. Der eine ist Bohemian, der andere lebt gern in absolut geordneter Bahn. Der Zweck meiner Reihe “SITA-Lexikon” ist, diese verschiedenen Lebensweisen vorzustellen.

SITA Lexikon

Ich habe auf einer Website eine wirklich gute Beschreibung der “1950s households” gefunden:

In a 1950s household, traditional gender roles are maintained. This is a type of “power exchange” based completely on gender roles. The man probably works at something “manly” like business, skilled labor, or management. He takes pride in his career and providing for the family.

The woman in this situation probably stays at home as a wife or mother. If she does leave the home, it is probably for her college studies or for pre-baby work in fields such as teaching, nursing, or other “feminine” jobs. Her main responsibility, of course, is her home and her family. This woman takes pride in cooking, cleaning, ironing, and raising her children. She may do outside activities such as volunteer work or being active in a church society. [...]

Children are brought up with traditional values and a sense of the father being the head of the home. The man provides for, protects, and cherishes his wife; in turn, she makes his home a place of comfort and relaxation after a hard day’s work.

Meine persönliche Meinung zum 1950s Haushalt?

Ich mag die Kleidung^^. Ich liebe Petticoats, High-Waist-Röcke und die wunderschönen Kleider der 50er. Ab und zu finde ich eine solch strikte Rollenverteilung auch wirklich nett. Aber ich will nicht immer so leben – mich nur um den Haushalt und die Kinder zu kümmern, wäre mir zu wenig.

Was ist euer persönlicher Lebenstraum? Wollt ihr eine Familie gründen? Ewiger Single und Bohemian bleiben? 24/7 oder TPE leben? Ist das alles überhaupt gar nichts für euch? Oder träumt ihr sogar von einem 1950s Haushalt?

Mann? Frau? Oder beides? – Androgynie, Crossdressing und Transsexualität

Harte BDSM-Anteile

Ich bin mittlerweile – so meine ich urteilen zu können – eine sehr offene Person geworden und glaube, dass das vor allem am BDSM liegt. Mein Sexualleben ist anders als das des Durchschnittsmenschen und ich habe das akzeptiert. Im gleichen Zug habe ich natürlich auch akzeptiert, dass andere genauso leben. Ich tauchte immer weiter in die Welt der Fetische und Kinks ein, entdeckte immer mehr – und fand das alles so auch in Ordnung. Schnell eignete ich mir die Einstellung “Your kink is not my kink, but it’s okay” an und ich denke, dass es einfach daran lag, dass ich alles mögliche ausprobiert habe. Manchem stand ich nicht ganz so offen gegenüber wie anderem…

Vor einiger Zeit war ich mit meiner Freundin (Nun, wir sind nicht zusammen, aber es ist schwer, dafür ein deutsches Wort zu finden. Wir sind “friends with benefits”.) auf einer Playparty. Wir kuschelten uns gemütlich in einen Hängesessel, berührten und küssten uns, ich zerkratzte ihr den Oberschenkel ein wenig und wir genossen einfach die gemeinsame Zeit. Währenddessen stand vor dem Raum jemand, bei dem ich mit meinen schlechten Augen und im Dämmerlicht nicht ganz zu urteilen vermochte, ob die Person nun ein Mann oder eine Frau war. Sie hatte längere schwarze Haare, trug feminine Kleidung, ein Handtäschchen und schien geschminkt zu sein. Ich weiß nicht, warum, aber irgendwie übte diese Person einen Reiz auf mich aus. Nicht unbedingt im sexuellen Sinne, aber sie erweckte einfach ein gewisses Interesse.

Wir entschlossen uns, sie hereinzubeten und ich erkannte nun deutlicher, dass die Person männlichen Geschlechts war, wenn auch eindeutig feminisiert. Sie stellte sich uns als Janina vor und immer noch war ich weder abgeschreckt, noch angeekelt, noch hatte ich andere negative Gefühle. Wir holten sie heran, sie strich uns ganz vorsichtig über die Beine, berührte uns sanft und als ich sie dazu aufforderte, verwöhnte sie die Füße meiner Freundin. Diese war (wie ich übrigens auch) sehr von ihren wunderschönen Schuhen eingenommen und interessierte sich dafür, wie es sich wohl anfühle, wenn sich ein Fußfetischist um ihre Füße kümmere. Ich wusste nicht, dass die “Neue” Fußfetischist war, ahnte es aber irgendwie.

Später am Abend trafen wir sie wieder und sie machte mir deutlich, wie gern sie Klammern mag. Ich setzte ihr die Klammern, die mir noch am harmlosesten erschienen, an die Brustwarzen, drückte sie ab und zu mit den Fingern etwas fester und zog an der Kette, die sie verband, sodass Janina vor mir in die Knie gehen musste. Ich genoss ihren Blick und wir entschlossen, eines der Zimmer aufzusuchen. Dort legte sie sich auf das Bett, während sie von der einen Seite gestreichelt wurde, während ich, nachdem sie mich… dezent… darauf hinwies, dass die Krokodilklemmen, von denen sie den Gummischutz abgemacht hatte, auch gingen. Also “durfte” sie sie drei Minuten lang tragen, während ich die Sekunden zählte und ihr Winden und den schmerzverzerrten Gesichtsausdruck genoss, ihr aber gleichzeitig Mut zusprach. Meine Freundin hielt immer noch ihre Hand.

Danach gingen wir zur Bar und unterhielten uns, bis wir zwei Mädels uns auf den Heimweg machten. Mittlerweile habe ich immer noch ab und zu Mailkontakt zu Janina. Sie schreibt mir als Mann, soweit ich das beurteilen kann. Und die einzigen Schwierigkeiten, die ich habe, bestehen darin, zu entscheiden, ob ich in meinem Artikel “sie” oder “er” schreiben soll.

Seit ich Janina kenne, übt Crossdressing einen immer größer werdenden Reiz auf mich aus. Einen Mann, der vielleicht auch nicht allzu männlich ist, zu kleiden wie eine Frau, ihn zu schminken, seine Fingernägel anzumalen und ihn so irgendwo, wo es abgelegener ist, aber doch Leute vorbei kommen können, auszuführen – das gefällt mir immer mehr. Ich bin gespannt, ob ich diese Phantasien irgendwann einmal ausleben kann und es dem Mann zumindest ein bisschen gefällt.

Heute entdeckte ich auf der Internetseite einer Frauenzeitschrift einen Artikel über androgyne Models. Ich konnte teilweise meinen Augen nicht trauen, befragte Freund Google und stieß auf folgendes Bild:

Andrej Pejic - Mann, Frau oder beides?

Sein Name – ja, sein Name! – ist Andrej Pejic. Auf den ersten Blick könnte man ihn für eine Frau mit nachwachsendem Haaransatz und wenig Fleisch auf den Rippen halten – ein typisches Model eben. Andrej ist auch Model. Er trägt sowohl Kleidung für Männer als auch für Frauen. Die Modebranche hat sich für ihn interessiert, ohne zu wissen, dass er ein Mann ist, aber als das herauskam, wurde er für sie nur umso interessanter. Die Trennung zwischen Mann und Frau verschwimmt immer mehr, männliche Kleidung zieht, in etwas abgewandelter Form, in die Frauenmode ein – Androgynie wird interessant. Der perfekte Zeitpunkt für einen Andrej Pejic oder eine Lea T.

Lea T. - bisher einziger Transvestit in der Modewelt

Ich finde dieses Bild von ihr wunderbar bezeichnend. Lea wurde als Leo geboren, ist jetzt aber, wie ihr Name schon sagt, eine Frau. Ich konnte leider nicht herausfinden, ob sie nun auch völlig “fertig” operiert ist, weil das Internet nicht so viel hergab.

Wird unsere Gesellschaft toleranter? Öffnen wir unsere beschränkte Mann/Frau-Einteilung? Akzeptieren wir das “andere” immer mehr? Oder ist es nur Skandalgeilheit? Ich denke, wir können tatsächlich hoffen.

Mann oder Frau – ist das eigentlich so wichtig? Muss man immer alles genau so definieren, wie es irgendjemand mal festgelegt hat?

Janina zum Beispiel ist Crossdresser. Sie mag feminine Kleidung und schminkt sich gerne, aber sie steht überhaupt nicht auf Männer. Andrej Pejic fühlt sich mal als Frau, mal als Mann und er scheint beide Geschlechter anziehend zu finden, wie ich in einem Interview mit der Zeit las. Er verhält sich, wie es ihm die Modedesigner diktieren – aber er ist immer noch er selbst, weil er sich nun einmal sowohl als Mann, als auch als Frau fühlt.

Pejic: Ich weiß, welche Erwartungen an mich gestellt werden. Als Frau bin ich sinnlich und sexy. Als Mann bin ich eher – schlicht.

ZEITmagazin: Mann zu sein bedeutet, schlicht zu sein?

Pejic: Auf die Mode bezogen – ja.

[...]

ZEITmagazin: Interessieren Sie Frauen oder Männer?

Pejic: Ich will es mal so sagen: Liebe kennt keine Grenzen.

Vor allem der letzte Satz gefällt mir sehr. Liebe kennt keine Grenzen. Liebe kennt weder Geschlechtergrenzen, noch ist sie limitiert auf eine Person oder ein Geschlecht.

So langsam kommt es mir vor, als verwandele sich mein Blog in einen einzigen Appell an die Toleranz und Offenheit der Menschen. Das liegt einfach daran, dass sich mit mir gerade ein Wandel vollzieht – die Toleranz, die ich mir immer beinahe aufgedrängt habe (“Du kannst doch zwei sich küssende Frauen nicht ästhetisch finden und dich angewidert abwenden, wenn sich zwei Männer küssen! Entscheide dich, tolerant oder nicht!”), wird nun immer mehr Teil meiner Persönlichkeit. Das bedeutet nicht, dass ich nun völlig tabulos alles akzeptiere, was da kreucht und fleucht, aber zumindest was manche gesellschaftliche Tabus angeht, werde ich immer kritischer.

Warum? Warum soll jemand seine Sexualität nicht genau so ausleben, wie es sich für ihn anfühlt? Warum muss denn ein Mann, der sich als Frau fühlt, Mann bleiben, weil er sonst Schwierigkeiten hätte, akzeptiert zu werden? Und warum kann man denn nicht daraus Lust ziehen sollen, sich dem anderen Geschlecht entsprechend anzuziehen?

Es gibt einfach nicht nur Schwarz und Weiß. Die Welt ist bunt.

Vom Glück und Leid einer Switcherin

“Ich habe etwas für dich!”, sagt er beiläufig und lächelt. Aus der Schublade holt er einen Gegenstand und zeigt ihn mir. Es ist ein schmales schwarzes Lederhalsband mit silbernem D-Ring und silberner Schnalle, hübsch und dezent. Er sieht mir in die Augen, ich drehe mich wie automatisch um, halte mit den Händen meine Haare hoch, bin verwirrt und gleichzeitig verzaubert. Das kühle Leder fühlt sich gut an an meinem Hals, ich taste es ab, kann es nicht ganz fassen. Mein Partner nimmt meine Hand, führt mich in den Keller. Immer noch ein wenig wie in Trance ziehe ich mich aus und lege mich auf das große Bett. Er nimmt ein Seil, fesselt meine Hände und bindet sie oben am Bettgestell fest. Dann zieht er meine Beine auseinander und bindet den einen Fuß auf der linken Seite des Betts an, den anderen auf der rechten, sodass ich sie nicht mehr schließen kann.

In seiner Hand hält er die neunschwänzige Katze, meinen Liebling. Ich mag ihr Aussehen, empfinde sie als äußerst ästhetisch und ich mag den kribbelnden breiten Schmerz, den sie erzeugt. Langsam holt er aus, schlägt dort zwischen den Schulterblättern, wo es besonders schön kribbelt und beinahe wie eine Massage ist, schlägt meinen Rücken, meinen Hintern, meine Beine. Vorsichtig, langsam, bedächtig und gleichmäßig. Immer wieder, bis meine Haut einen zarten Rotton annimmt. Schwarzes Leder auf weißer Haut, die sich rötet. Schläge, Kribbeln, Erregung.

Seine Schläge werden fester, härter. Ich kann mich nicht auf sie konzentrieren, bin abgelenkt, fühle Schmerz, die Erregung wird kleiner. Was tut er da? Wie kann er nur? Er schlägt mich? Ich will nicht mehr, es tut weh, ich kann nicht mehr! Trotzdem sage ich keinen Ton, beiße die Zähne zusammen, verspanne mich, schaue wütend ins Kopfkissen.

Das Halsband drückt an meinem angespannten Hals und plötzlich werde ich ganz weich. Ich trage ein Halsband, ein Zeichen der Zugehörigkeit, er möchte mich annehmen, möchte mich besitzen, ich soll seins sein… Mach mit mir, was du willst! Ich gehöre dir! Ich sage immer noch keinen Ton, entspanne mich aber merklich. Er macht alles richtig, der Rhythmus seiner Schläge ist perfekt, ich schwebe, alles kribbelt, mir geht es wunderbar. Später erst, als ich das Fliegen gelernt hatte, begriff ich, dass ich für einen kurzen Moment lang beinahe geflogen bin.

Er hört auf, meine Haut ist rot und brennt und ich fühle mich wunderbar. Er fragt mich etwas, ich weiß nicht mehr, was, aber zum ersten Mal antwortete ich frei und ungezwungen: “Ja, Herr.” Es war das erste Mal, dass das Wort “Herr” aus meinem Mund kam. Er schaut mich an, seine Augen leuchten, er umarmt mich, bindet mich langsam los, küsst mich. “Ich habe dich lieb, meine Kleine.” Er legt mich auf den Rücken, wir schlafen miteinander und ich halte mich an ihm fest, als wolle ich ihn nie wieder loslassen.

Ist das Submission? Jemandem gehören zu wollen?

Zufrieden schaue ich mich in der Sammlung von Spielzeugen um. Er scheint sich ein wenig unwohl zu fühlen, weiß nicht, was ich vorhabe, hofft vieles und hat dennoch Angst davor. Ein Knebel hat es mir besonders angetan; es ist ein Kopfgeschirr, in das man vorne einen Plug oder ähnliches einsetzen und als Ballknebel verwenden kann. Ich suche einen geeigneten Plug, nähere mich ihm, genieße seinen Blick.

Der Knebel löst einen Würgereiz bei ihm aus, auch wenn er gar nicht so lang ist. Ich lächele zufrieden und schaue mich weiter in der Sammlung um, habe plötzlich Lust, ihn völlig bewegungsunfähig zu machen. Erst ziehe ich ihm Ballet Boots an, Schuhe, die ihn zwingen, den Fuß ganz durchzustrecken. Eine sehr unangenehme Stellung auf Dauer – und laufen kann er auf den Schuhen auch nicht. Dann suche ich ihm Kleidung heraus. Lächele wieder. So hübsche Kleidung! Der süße rosa Rock ist doch viel zu schade, um herumzuliegen. “Zieh das an.”, sage ich lächelnd und reiche ihm den Rock. Er hat sichtlich Schwierigkeiten, den Rock anzuziehen, ohne von seinem Stuhl aufzustehen. Letzteres würde ihn zwingen, auf den Schuhen und damit auf den Zehen zu stehen, was Schmerzen bedeutete. Nach einer Weile hat er es aber geschafft, sich seiner Hose zu entledigen und in den Rock zu schlüpfen. Ein Netzoberteil lehnt er ab – er mag seinen Bauch nicht. Dafür darf er ein Asiaoberteil für Frauen anziehen.

Sein Knebel lässt ihn immer mehr würgen und schließlich erlöse ich ihn und er bekommt sein Ballknebelgeschirr, das ihm immer noch das Reden unmöglich macht, aber wenigstens nicht so furchtbar unangenehm ist. Ich setze ihm seine pinke Langhaarperücke auf. Er macht unverständliche Geräusche und ich frage ihn in liebreizendem Ton, ob er etwas zu beanstanden hat. Er müsse bloß sagen, was ihm nicht gefalle. Er guckt mich an und grummelt in seinen Knebel. Ich lache. Er sieht wunderbar aus, so geknebelt und in der Frauenkleidung! Früher hat mich Feminisation nie gereizt, bei ihm gefällt es mir.

Ich nehme seinen selbstgebauten Monohandschuh, führe seine Hände auf dem Rücken zusammen und ziehe ihn ihm an. So ganz erschließt sich mir die Technik, die er sich ausgedacht hat, nicht, aber ich sichere die Hände zusätzlich mit Seilen. Dann binde ich ihm einen Strumpf provisorisch als Augenbinde um, setze ihm Kopfhörer auf und lasse, weil ich nichts anderes finde, die Windowsbeispielmusik auf Dauerschleife laufen. So lasse ich ihn eine Weile sitzen, schaue mein Werk zufrieden an, sehe mich ein wenig im Haus um, kehre kurz zurück, um die Fesselung etwas fester zu machen und lasse ihn dann wieder ein wenig sitzen.

Eigentlich hätte es mich gereizt, ihn etwas länger so sitzen zu lassen, ihn mir völlig ausgeliefert zu sehen, aber die Zeit wird langsam knapp, ich muss leider bald schon weg. Also ziehe ich ihm ganz langsam zuerst die Ballet Boots aus, dann löse ich die Seile, ziehe den Monohandschuh aus, nehme die Kopfhörer weg und schiebe ihn vom Stuhl weg auf den Boden. Sehr bereitwillig kniet er sich hin, was mich sehr freut. Jetzt erst nehme ich ihm die Augenbinde weg. Er blinzelt mich an, sieht so verletzlich aus, dass ich ihn am liebsten in den Arm nehmen möchte. “Willst du mir gehören?”, frage ich leise und sehe ihm in die Augen. Ein Lächeln umspielt seine Lippen und ich sehe ein Glitzern in seinen Augen. In diesem Moment spüre ich, dass er wirklich meins sein will. Dass er mir gehorchen will. Dass er es ernst meint, als er leise “Ja” sagt.

Ich nehme das metallene Halsband vom Tisch und lege es ihm um. “Du wirst es von nun an immer tragen. Du kannst es verbergen, aber du wirst es nicht lösen, es sei denn, du bekommst damit Schwierigkeiten bei deinen Professoren. Möchtest du das tun? Möchtest du dein Halsband immer tragen?” Er nickt, schaut zu mir auf und ich kraule ihn am Kopf. Mein Lächeln ist voller Stolz.

Ist das Dominanz? Jemanden besitzen zu wollen?

Ich bin Switcherin und sehr stolz darauf. Es lässt mich beide Seiten der Medaille kennen und lieben lernen. Bin ich deswegen weniger Sub oder weniger Top? Fehlt mir deswegen irgend etwas, kann ich mich deswegen nicht ganz auf eine Seite einlassen? Klingen meine beiden Erfahrungsberichte danach?

Um ehrlich zu sein, finde ich das Vorurteil, Switcher seien nur “halbe” Subs und “halbe” Tops, lächerlich. Es ist einfach ausgemachter Blödsinn, um es hart auszudrücken. Warum sollte ich mich weniger unterwerfen können, wenn ich schon einmal jemanden unterworfen habe? Warum soll ich Schmerzen weniger genießen oder auch erleiden können, nur weil ich sie bereits jemand anderem zugefügt habe? Andersherum, warum sollte es meiner Macht einen Abbruch tun, wenn mein Sub weiß, dass ich auch selbst schon unten gespielt habe? Wenn ich ihm sein Halsband umlege, denkt er dann daran, dass mir selbst auch einmal eines umgelegt wurde? Ich kann es mir nicht vorstellen.

Selbst beim Switchen mit dem selben Partner, hält einen die Tatsache, dass er zum Beispiel einmal vor einem gekniet hat, einen mit bittenden, hingebungsvollen Augen angeschaut und bereitwillig sein eigenes Sperma aus seiner Hand geschleckt hat, davon ab, ihn zu respektieren und ihm zu gehorchen? Wenn man selbst vor ihm kniet, hat man ganz sicher anderes im Kopf.

Ein Freund von mir meinte zu der Sache, dass manche Subs meinen, wenn sie ihren Partner einmal toppen würden, verlören sie den Respekt vor ihm. Das bedeutet aber nur, dass sie den Top respektieren – nicht den Menschen und das finde ich sehr schade. Respekt ist meiner Meinung nach eine Sache, die man einer Person entgegenbringt, keiner Rolle. Und deswegen habe ich keinerlei Schwierigkeiten damit, zu switchen und mich dennoch auf beide Rollen vollständig einlassen zu können.

Wie denkt ihr darüber? Tut es meiner Dominanz einen Abbruch, wenn ich auch selbst Sub sein kann? Kann ich mich nicht vollständig jemandem hingeben, wenn ich ab und zu möglicherweise sogar den selben Mann dominiere?

Ich liebe beide Seiten viel zu sehr, um mir eine nehmen zu lassen und ich bin immer sehr enttäuscht von Menschen, die Switchern gegenüber einfach so vorurteilbehaftet sind, dass sie sie komplett ablehnen. Jemand, der sich für mich zu interessieren schien – ich wollte mich ehrlich gesagt nur nett mit ihm austauschen – meinte einmal zu mir, der Stammtisch bei ihm brauche noch Subverstärkung, es seien fast nur Switcher da. Als ich antwortete, dass ich ebenfalls switche, meldete er sich nicht mehr. Ich empfand das als sehr große Beleidigung. Primär bin ich sowieso Mensch – und meiner Neigungen wegen nicht akzeptiert zu werden, empfinde ich als sehr unverschämt. Vor allem, da ich wie erwähnt nicht einmal daran gedacht habe, jemals mit ihm zu spielen oder was auch immer. Außerdem reagiere ich sehr empfindlich darauf, wenn jemand mich verständnislos fragt “Wie, dein Sub? Ich dachte, du seist Sub?”. Meine dominante Seite hilft mir sehr, meine devote zu akzeptieren. Ich glaube, genau deswegen hatte ich auch nie so wirklich die Phase der Probleme mit der Selbstakzeptanz. Gut, ich habe ab und zu ein paar innere Konflikte, aber meistens finde ich es einfach nur gut, dass meine sexuellen Interessen so breit gefächert sind. Ich kenne alle Seiten und kann mich – so meine Meinung – sehr gut in die Lage des anderen hineinversetzen. Als ich zum ersten Mal jemanden ausgepeitscht habe, meinte er, dass ich “erfahren” schlage. Ich habe einfach genau so geschlagen, wie ich es selbst am liebsten mag – unvorhersehbar, trotzdem mehr oder weniger rhythmisch, bei zu viel Zucken noch einen kräftigeren Schlag und dann wieder sanftere… Also helfen mir doch meine vielfältigen Neigungen nur beim Spiel und halten mich nicht davon ab, mich ganz fallen zu lassen!

Switcher sind “vollständige” Subs und “vollständige” Tops. Da fehlt nichts, das kann ich aus erster Hand sagen und ich finde es wahnsinnig überheblich, das zu behaupten. Mir würde etwas fehlen, könnte ich nur eine Seite ausleben. Und damit möchte ich meinen Appell, Switcher zu akzeptieren, beenden. Denkt doch bitte einmal darüber nach, wenn ihr selbst ähnliche Vorurteile habt.