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Früher wart ihr härter

Guten Abend, wehrte Leser! Gestattet mir, euch für einige Augenblicke in das Reich der dunklen Erotik zu nehmen. Dorthin, wo der Unterschied zwischen Mann und Frau fließend ist und manchmal vollends verschwimmt. Dorthin, wo Worte aus dem Kontext genommen und neu interpretiert werden. Sklave, Vergewaltigung, Schmerz. Lasst mich euch an einen nur in der Phantasie bestehenden Ort mitnehmen, an dem sich zwischen Schreie und Schluchzer sehnsuchtsvolles, genießerisches Stöhnen mischt. Ein Ort, an den ihr gelangt, wenn ihr euch von den Worten leiten und verführen lasst, wenn ihr bereit seid, euch ganz zu geben, euch darauf einzulassen, wenn ihr alle bisher gekannten Werte und Normen über Bord werft und dem folgt, was in euch steckt. Ihr entscheidet selbst, wie sehr ihr in diesen Ort eintaucht und in das, was dort geschieht. Die einen streifen ihn nur, nehmen sich Inspirationen daraus mit, die anderen bleiben dort und identifizieren sich mit diesem Ort so stark, dass sie niemals mehr wegziehen wollen.

Captured?

Eine Theorie, die ich einmal gehört habe, besagt, dass Schmerz- und Lustzentrum im Gehirn direkt nebeneinander liegen und teilweise bei Schmerz beide Zentren gereizt werden. Ihr kennt bestimmt auch diesen Adrenalinrausch, den man manchmal hat, wenn man sich richtig schlimm verletzt. Auch damit könnte Sadomasochismus zusammenhängen. Die genauen Ursachen sind immer noch nicht geklärt. Mir wurde einmal gesagt, dass 90% des Masochismus ist, sich darauf einzulassen. Neugierig zu sein, den Schmerz genau zu spüren und sich nicht von ihm, sondern von der Erotik übermannen zu lassen – zu fliegen. Ich halte das durchaus für möglich, schließlich bin ich ein sehr neugieriger Mensch und “damals” (ich fühle mich so alt, wenn ich das Wort “damals” benutze!) wollte ich “es” einfach nur ausprobieren. Neugierde und Offenheit erklären natürlich nicht alles, dennoch mag es der Grund sein, aus dem ich mich zur Zeit von BDSM abgestoßen fühle.

Ja, abgestoßen. Ich habe immer noch ein bisschen Kopfkino, aber es ist sehr viel “harmloser” geworden als früher – und Sex, der früher in meinem Kopfkino höchstens in Form von Vergewaltigung eine Rolle gespielt hat, nimmt immer mehr Raum ein und wird immer detaillierter. Kleine Gewaltszenen in Filmen, die ich früher auf irgendeine Weise doch interessant fand, ekeln mich zur Zeit an. Und als ich letztens mit einem Freund wieder versucht habe zu spielen, konnte ich in dem Schmerz nichts schönes mehr finden, sodass wir abbrachen. Ich hatte nie Probleme, meine Neigungen zu akzeptieren und auf einmal gefallen sie mir nicht mehr. Das “höher, schneller, weiter” von früher hat sich ins Gegenteil umgekehrt. Auch mein Beziehungsidealbild ist nicht mehr unbedingt polyamorös, sondern eher irgendwie undefiniert, mal komplett monogam, mal doch wieder poly. Was ist passiert? Bin ich nicht mehr “pervers”?

Ich persönlich glaube, dass das “nur so ‘ne Phase” ist. Ich komme gerade aus einer sehr intensiven, aber auch sehr schwierigen Beziehung, in der ich meine ersten Erfahrungen im Bereich BDSM gemacht habe. Außerhalb der Beziehung war gerade auf der Sub-Seite eher wenig. Es ist recht einleuchtend, dass ich, wenn ich die Beziehung hinterfrage, auch BDSM hinterfrage. Wie weit wollte ich wirklich gehen und wie viel habe ich nur für meinen Partner getan? Wenn er nicht der Richtige für mich war (wobei ich sicher bin, dass er das zumindest eine Zeit lang war), ist dann BDSM das Richtige für mich? Und nicht zuletzt der klassische Gedanke: Wird es mit einem anderen je so, wie es mit ihm war?

Die Antwort auf die letzte Frage ist: Nein. Es wird nie so, wie es mit einem anderen Menschen war. Menschen sind unterschiedlich. Aber dennoch weiß ich, dass ich wieder jemanden kennen lernen werde, der mich verzaubert – und der mich neugierig macht. Es ist gut, dass ich mein Denken zur Zeit überdenke. Es ist gut, dass ich mich frage, wie viel ich eigentlich noch wild herumvögeln ausprobieren will. Es ist gut, dass ich mich frage, wie mein Beziehungsideal aussieht, auch wenn es letztendlich von dem Partner, den ich treffe, abhängen wird. Und es ist gut, dass ich mein Sexualverhalten hinterfrage, denn nur so kann ich herausfinden, was ich wirklich will. Das ist nicht leicht für mich – ich wusste eigentlich immer recht gut, was ich will und zur Zeit weiß ich gar nichts – aber es ist nötig. Ich muss mich jetzt auf eine andere Reise begeben: Die Suche nach mir selbst. Anscheinend gehört dazu, BDSM nun erst einmal abzustoßen. Da meine Gedanken an softes BDSM allerdings nicht aufhören, vermute ich, dass ich einfach etwas “weicher” werde. Das ist alles etwas seltsam für mich, aber es wird schon alles so seine Wege gehen, dass es am besten für mich ist. Denn erstens kommt es anders und zweitens als gedacht, nicht wahr?

Hattet ihr mal eine Phase, in der ihr keine Lust mehr auf BDSM hattet? Seid ihr mit der Zeit “weicher” geworden?

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Comments

  1. Phelan_H says:

    Ich denke das hängt stark an den äußeren Gegebenheiten. In Phasen des Stresses und wenn ich mich eigentlich auf andere Dinge konzentrieren muss fängt mein Interesse an BDSM an stark nach zu lassen. Dann merke ich irgendwie das mir Zweisamkeit doch mehr gibt in dem Momenten. In anderen Situationen bin ich deutlich experimentierfreudiger. Ich habe gelernt damit zu leben und es auch zu akzeptieren. Es ist im Grunde auch schön wenn sich die Bandbreite von Hart bis Zart erstrecken kann und man in allem Befriedigung findet.

  2. Me-la says:

    Also meine Erfahrung ist, dass ich mit der Zeit “härter” geworden bin. Mein Horizont hat sich einfach mit vielen Erfahrungen erweitert, so dass ich inzwischen Dinge, die ich vor 3 Jahren noch krass fand, inzwischen ganz normal finde (zum Beispiel vor jemandem knien).
    Das ist allerdings eine langfristige Veränderung, kurzfristig habe ich immer wieder Phasen, wo meine Grenzen kurzzeitig sehr eng gesteckt sind. Stress oder Krankheit können mich zum Beispielvorübergehend ziemlich vanillig machen ;)

  3. Josef says:

    Meine Partnerin und ich probieren BDSM gelegentlich aus, wir praktizieren es aber nicht regelmäßig. Sex ist so vielfältig und es gibt auch noch andere Spielarten. Wir wollen in erster Linie unsere Sexualität ausleben und nicht auf eine bestimmte Spielart davon festlegen.

    • Samya says:

      Ich glaube, an dem Punkt werde ich früher oder später auch landen. Ich bin sexuell nicht mehr der “alles oder nichts” Typ, sondern mache lieber mal dies, mal das.

  4. Eulale says:

    Ich find das klingt alles völlig ok.
    Man verändert sich eben. Manches hat mehr Wert als früher, manches weniger. Das geht doch jedem so.
    Bei mir hat BDSM im Moment auch nicht so einen hohen Stellenwert, weil ich bzw. wir gerade lernen von einer Fernbeziehung zum zusammenleben zu wechseln. Bei uns wird es gerade weniger an BDSM, dafür aber “härter”. Oder ich empfinde das nur so?! Egal. Ich finds gut, ich bin glücklich.

    Früher hab ich nur schwarz getragen; heute hab ich mehr Freude an mehr Farben.

    Du, ich, alle verändern sich. So ist das.
    Alles ist gut. Genieße die Zeit des Neuentdeckens. :)

  5. Maskenfreund says:

    Ich habe mit der Zeit auch das Interesse und die Lust am “BDSM” verloren.
    Immer nur schwarz, Ketten und Schmerz war dann auf die Dauer doch nichts für mich bzw. uns.
    Ob wir nun “weicher” geworden sind, kann ich nicht sagen, aber die Lust hat sich gefinitif geändert. Fesselspiele mit Masken und Co, betreiben wir zwar immer noch, aber dafür ohne Pein. Das gegenseitige erforschen des Körpers vom “wehrlos gefesselten” Partners hat auch was und macht uns zur Zeit mehr freude und Lust.
    Ob es sich wieder ändern wird, bleibt abzuwarten, aber warum sollte man beim Sex irgendetwas erwzingen?
    Wir haben Spass und geniessen nun einfach diese Spielart der Lust. :)

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