Die Macht der Worte

Mittelhartes BDSM

Gerade beim D/s wirken Worte viel besser als Schläge. Ein schneidendes “Du willst also den Befehl nicht befolgen?” macht mich ziemlich klein und hilflos, aber gleichzeitig rebelliert etwas in mir. Ich glaube, dass es diese Ambivalenz ist, die mich am BDSM so fasziniert. Schmerz und Lust, Anziehung und Abstoßung, Grobheit und Zärtlichkeit. Im Folgenden möchte ich die Worte und Sätze beschreiben, die bei mir eine besonders große Wirkung haben und versuchen, diese Wirkung zu erklären und euch dieses subtilere Spiel näher zu bringen.

Ich möchte, dass du für die nächsten anderthalb Stunden mir gehörst war der Satz, der mich in meine allererste wirkliche Session führte. Ich hatte bislang immer abgestritten, in irgendeiner Weise devot zu sein, aber ich konnte nicht verhindern, dass mir ein “Ja, Herr.” durch den Kopf schoss. Ich war noch nicht so weit, es auszusprechen, obwohl der Satz wahnsinnig entfesselnd und fesselnd zugleich war. “Besitz” von einem anderen Menschen zu sein, und sei es nur auf Zeit, ist etwas, das viele fasziniert. Warum? Vielleicht wollen wir einfach nur loslassen, den Alltag vergessen, keine Verantwortung mehr tragen. Die Welt ist so groß und manchmal so grausam – doch wenn da eine starke Person ist, dann glaubt man, vor allem Übel beschützt werden zu können. Wir geben all unser Vertrauen, gehen das Risiko ein und erhalten im Gegenzug eine ebenso starke Hingabe.

Ich habe Lust, dir weh zu tun und dich dann zu nehmen. Dieses “dich nehmen” jagt mir Schauer über den Rücken… Es ist so besitzergreifend, fordernd, keine Widersprüche zulassend… Ich fühle mich dadurch hilflos, aber es ist eine Hilflosigkeit, die ich genießen kann, weil ich weiß, dass ich meinem Partner vertrauen kann. Außerdem ist der Satz schamlos, offen, verboten, aber nicht so direkt und vulgär wie ein “Fick mich” beim Dirty Talk, den auch Nicht-BDSMler ausüben (wobei das auch seinen Reiz hat).

Züchtigung. Das Wort hat mich schon immer irgendwie angesprochen, aber erst in letzter Zeit habe ich gemerkt, was dieses leicht flaue Gefühl da unten eigentlich bedeutete. Genauso fühlt es sich an, wenn ich kurz vor einem klitorialen Orgasmus stehe und ich wünsche allen Menschen, dass sie ein Wort haben, das solche Gefühle in ihnen hervorruft. Bisher wurde ich noch nicht “gezüchtigt”, deswegen verbinde ich mit dem Wort auch immer noch nur die Gedanken an Schmerz – und die sind wahnsinnig erregend. Der Schmerz zwar auch – aber im ersten Moment ist es nur Schmerz. Eine Bekannte hat es mal folgendermaßen ausgedrückt:

Kaum denkt man an weitere Quälereien, hat man auch schon Lust im Kopf, wird unvorsichtig, vielleicht sogar fordernd – und erinnert sich erst wieder klar daran, dass das Ganze ja auch real recht schmerzhaft ist, wenn der erste Schlag kommt.

Als Anrede finde ich Kleines toll, weil das so etwas Beschützendes hat. Ich möchte mich an die Person, die es ausspricht, anschmiegen und gleichzeitig löst das Wort ein “Argh, NEIN!” aus, das am liebsten von einem kindlichen Aufstampfen mit dem Fuß begleitet werden will.. Ebenso wie das Geräusch einer Peitsche, die nur die verdammte Luft trifft. Einerseits bin ich froh darüber, dass sie mich verschont hat, andererseits will ich ja diesen Schmerz und das, was danach kommt und deswegen ärgere ich mich unheimlich, balle die Fäuste und gebe Geräusche des Unwillens von mir wie ein kleines Kind. Seit kurzem liebe ich Hexe. Ich finde meine Haarfarbe (rot) toll und die Anrede erinnert mich daran :) . Außerdem hat sie so etwas liebevoll-neckendes.

So nicht, meine Liebe ist auch sehr schön. Er kommt zum Beispiel, wenn ich mich aus den Fesseln herauswinde und wird mit dem Klappern der kalten, nicht zu lösenden Handschellen ohne verdammten Sicherheitshaken begleitet. Und wieder die Ambivalenz: “Meine Liebe” kündigt eine Bestrafung an, zeigt aber gleichzeitig, dass ich etwas wert bin, dass ich ihm wichtig bin.

Sieh mich an! stelle ich mir schön vor, wenn es sehr fordernd gesagt wird und eine Hand an meinem Kinn mich zwingt, den Kopf zu heben. Wenn ich etwas angestellt habe, mich schäme oder Angst habe, will ich oft niemandem ins Gesicht sehen. Ich weiß, dass mir ein strenger Blick Angst einjagt und ich will nicht offen zugeben, was gerade geschehen ist. Wenn ich dann dazu gezwungen werde, ihm in die Augen zu schauen, fühle ich mich nackt und machtlos und gerade diese Machtlosigkeit ist es, die ich – so sehr ich es auch anfangs abgestritten habe – genieße.

Was auch wunderschön ist: Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein. (Jesaja 43,1). Wahlweise auch Du gehörst mir/Ich gehöre dir. Der Satz symbolisiert Zugehörigkeit und Schutz, aber auch eine gewisse Selbstaufgabe oder einfach ein Loslassen – und das nicht nur im BDSM-Kontext, denn daran wird der gute Jesaja kaum gedacht haben.

*mau* mag ich einfach. Schnurren kann ich als Mensch nur so ausdrücken, gleichzeitig kommt mir ein “mau” in den Kopf, wenn ich mich ein bisschen hilflos fühle oder einfach nur kuscheln will. Es ist das Geräusch, das eine Katze macht – oder von dem wir gesagt haben, dass es das Geräusch, das eine Katze macht, darstellen soll. Katzen symbolisieren Freiheit, einen eigenen Willen, Durchsetzungsfähigkeit, Stärke, Schönheit und Eleganz und Schmusebedürftigkeit. Ich glaube, dass aus diesem Grund viele Subs gern Kätzchen sind.

Die nächsten Sätze kommen von meiner Bekannten, die sie in Frankreich “live” gehört hat. Das Pärchen siezte sich während der Session… Ich möchte nichts dazu sagen, sondern euch bitten, sie einfach auf euch wirken zu lassen.

Oui, gémissez. Cela me plait. Ja, wimmern Sie nur. Das gefällt mir.

J’aime vous voir soumise à mes pieds. J’aime vous fesser injustement. Ich mag es, Sie so unterworfen zu meinen Füssen zu sehen. Sie nach Belieben zu züchtigen.

Je vous veux offerte, ouverte, salope aux yeux de tous. Je vous veux. Donnez-vous. Ich möchte Sie offen sehen, dargeboten, eine Hure in aller Augen. Ich will Sie. Schenken Sie sich.

Bien. Si vous ne pouvez pas vous en empêcher, montrez donc à tout le monde quelle chienne vous êtes. Gut. Wenn Sie sich nicht zurückhalten können, dann zeigen Sie doch aller Welt, welch eine Hündin Sie sind.

Ich mag fremde Sprachen sehr gerne, deswegen sind einige meiner Lieblingssätze auch Englisch. You’re a good girl und I’m sorry, I’ll be good, I promise finde ich sehr nett, weil sie Verletzlichkeit und Hingabe ausdrücken. So gefällst du mir schon besser jagt mir Schauer über den Rücken, zeigt mir aber gleichzeitig, dass ich angenommen werde. Oh, tat das etwa weh? ist so ein wunderbarer, fieser Satz, den ich vor allem aktiv mag.

Das soll es für heute gewesen sein – ich wünsche noch eine angenehme Nachtruhe und verabschiede mich mit einem Teil aus einem Gedicht:

Du bist hilflos
und wehrlos
aber nicht machtlos.

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Comments

  1. Yice says:

    Hihi geht mir ähnlich nur sind das bei mir z.B. ganz andere ausdrücke/wörter/Sätze die dieses gefühl in mir auslösen.

    Wörter in Fremdsprache würde ich auch sofort zustimmen, dass die bei manschen sachen einfach besser klingen. Z.B. finde ich Mistress nicht so schön. Das klingt viel mehr nach einer Domina außerdem kann ich die bedeutung gut ausblenden und schon fast als name benutzen. Herrin dagegen ist zwar kein schönes Wort aber ich finde es hat macht und es zu sagen kostet immer wieder Überwindung.

    Was ich z.B. auch sehr schön finde ist wenn man nicht “Ja” sagt. Ja ist so alltäglich und so normal das es schon fast an bedeutung verliert. Ich finde hierbei das Japanische wort “Hai” (Ich bin mir bei der Schreibweise nicht ganz sicher) seeeehr viel schöner. Es wird ähnlich wie Hei ausgesprochen aber mit noch einem kleinen Unterton. Wenn man das NUR dafür verwendet um dem Auftrag zu bestätiegen hat es auch viel macht und den gleichen effekt wie Herrin.

  2. Sex Cam says:

    Ich liebe Wesen von Menschen, die zuversichtlich, was sie einer Frau zu tun, dass wissen sah, bin ich auch sehr Bi ich Mädchen wie auch

  3. Netter Spam says:

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